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Über Gorakhnath aus dem Buch Gorakhnath und die Kanphata Yogis

Über Gorakhnath aus dem Buch Gorakhnath und die Kanphata Yogis 23.12.2020

Kapitel 11. Gorakhnath [Gorakhnath und die Kanphata Yogis - аutor George Weston Briggs]

Wenn man die Charakteristik der shivaitischen Sekten, von denen die Kanphatas abstammen, genauer betrachtet, so ist es unumgänglich verschiedene Angaben zu erforschen, welche sich auf jene Zeit beziehen, in welcher der Gründer des Ordens gelebt hat.

Die Sagen und Legenden über Gorakhnath sind, wie schon erwähnt, weit verbreitet und vielfältig. Vor allem gibt es viele in Nepal, in den vereinten Gebieten, in Bengalen, in Nordindien, im Sindh und Punjab. 

Die Kanphatas sagen, dass ihr Orden schon vor der Entstehung der Welt bestand. Ihre Geschichte besagt, dass als Vishnu zur Zeit der Erschaffung alles Existierenden aus dem Lotos erschien, sich Gorakhnath in Patala aufhielt. Vishnu, welcher aufgrund des schwindenden Wassers besorgt war, stieg hinab nach Patala und bat Gorakhnath um Hilfe, welcher aus Mitgefühl zur Gottheit ihm eine Handvoll Asche aus seinem ewigen Feuer (Dhuni) gab und sagte, dass indem er die Asche aufs Wasser schütte, er wieder die Welt erschaffen könne. Es ist dann alles so gekommen wie Gorakhnath es voraussagte; daraufhin wurden Brahma, Vishnu und Shiva seine ersten Schüler.

In vielen Texten wird Gorakhnath als mehr als nur ein einfacher menschlicher Lehrer betrachtet, er befindet sich außerhalb der gewöhnlichen Gesetze der Zeit, erscheint auf der Erde in verschiedenen Epochen (Yugas). Man sagt, dass er im Satya-Yuga (Krta) in Punjab in Peschwar lebte, außerhalb von Lahor; im Treta-Yuga in Hurmuja, außerhalb von Gorakhpur; im Dvapara-Yuga in Hurmuj, außerhalb von Dvaraka; und im Kali-Yuga durchwanderte er innerhalb drei Monaten das nördliche Gorakhpur in Gorakhmari (Gorakhmandi) in Kathyavar. Es scheint, als ob dies der Versuch sei, die Herkunft des Ordens nicht nur in die weite Vergangenheit zu verlegen, sondern auch die schriftlichen Erwähnungen mit weit entfernten Ortschaften zu verbinden, den Orten an denen sich bekannte Tempel Gorakhnaths und seiner Anhängerschaft befanden. Ebenso sagt man, dass Gorakhnath im Kali-Yuga in der Form von Shesha Naga erschien.

Die Nachfolger Gorakhnaths verweigern häufig Antworten auf Fragen nach Zeit und Ort seiner Herkunft zu geben, denn er wird von ihnen als ein Übermensch betrachtet. Jedoch gibt es auch Aussagen über seine Wanderungen zur heutigen Zeit. Die Nepalesen nehmen an, dass er aus Punjab nach Kathmandu kam, oder zumindest aus weit gelegenen Orten ihres Königreiches. Ebenso wird angenommen, dass er in Kathmandu lebte, in der Nähe des Pashupatinath-Tempels. Man verehrt ihn auch in Oudh als einen Heiligen.

Die Mönche Gorakhpurs sagen, dass er in die Vereinigten Gebiete in Punjab einkehrte, und dass sich der Hauptsitz in Tilla in Jelum befindet. Die Sage von Kaccha führt uns wieder zurück nach Punjab; wo Dharmanath der Leiter war, ein Schüler Gorakhnaths, welcher aus Peschwar kam. Andererseits behaupten Nasik-Yogis, dass Gorakhnath aus Nepal nach Punjab pilgerte, und von dort erst in andere Teile Indiens.

Der Herkunft der Tradition und der Beziehung des Tilla-Tempels zu anderen Tempeln Indiens zu urteilen, war Gorakhnath ein Eingeborener Punjabs. Andererseits, weisen die bengalischen und nepalesischen Sagen in den Osten. Sie nehmen an, dass er möglicherweise in Punjab eintraf, aus dem Osten kommend. Außerdem, nimmt man an, dass Gorakhnath von Anfang an ein Vajrayana-Buddhist war und mit dem Shivaismus dank Matsyendranath in Verbindung kam. Die Legenden über Gopicand zeigen sehr anschaulich auf, dass sich die Menschen schon damals mit Leichtigkeit von Ort zu Ort bewegen konnten.

Bevor wir zur Diskussion über das Erscheinen Gorakhnaths und den Platz, den er in der indischen Geschichte einnimmt, übergehen; lohnt es sich zunächst einigen Fragmenten und Berichten zu widmen, welche Auskunft über ihn geben.

Im „Dabistan“ gibt es Erwähnungen von Gorakshanath und yogischen Praktiken. Es gibt einen Verweis auf literarische Werke Gorakhnaths und auf diejenigen, welche sich auf ihn berufen. Moshan Fani, der Auto des „Dabistan“, lebte zu der Zeit von Har Gobind (1607-1644). Eine andere Überlieferung verknüpft Gorakhnath mit Baba Farid, welcher Girnar im Jahr 1244 besuchte und im Jahre 1266 verstarb. Gorakhnath erscheint dabei als antikes Heiligtum von Girnar. 

Ein bekanntes Kloster in Dhinodhar in Kacch wird mit dem Namen von Dharmanath in Verbindung gebracht. Dieser berühmte Heilige, ein Nachfolger Gorakhnaths, traf in Kacch im Jahre 1382 ein. Auf dieses Ereignis verweisend, wird die Existenz Gorakhnaths zeitlich dem vierzehnten Jahrhundert zugeordnet (nach Grierson). Es wird vermutet, dass sich in der Parampara mindestens noch ein Schüler zwischen Dharmanath und seinem bekannten Guru befand, demnach ist es gut möglich, dass diese beiden Yogis keine Zeitgenossen waren. 

Die spirituelle Linie Gorakhnaths wird in einigen Quellen festgehalten. Alle diese Paramparas legen sich eindeutig auf zwei vorangegangene Lehrer fest: Adinath und Matsyendranath (Maccender-Nath). Khakkar nennt fünf Lehrer, welche Adinath vorausgingen; und Svatmarama deklariert, dass sich zwischen Matsyendranath und Gorakhnath sechs Gurus befinden. Lakshminarayana, Kommentator des „Goraksha Shataki“, identifiziert Minanath mit Matsyendranath. Die gegenwärtige Tradition macht Matsyendranath zum Lehrer Gorakhnaths. In der „Gorakhnath ki Goshthi“ von Kabir, spricht Gorakhnath von sich als den Sohn Matsyendranaths und den Enkel Adinaths. Ungeachtet dessen, dass Adinath Matsyendranath vorausgeht, ist er nun identisch mit Shiva, und sein Name wird als herkunftsgemäßer bei der Errichtung der Sampradaya genannt, welche von dem größten aller Yogis, dem Gott Shiva ausgeht. 

Ein großes Interesse ruft Matsyendranath hervor, welcher eng mit Gorakhnath verbunden ist. Er ist der Schutzherrgott des Landes Nepal, welcher den Vorsitz über das Königreich führt. Er wird als buddhistischer Heiliger angesehen, wie eine Inkarnation von Padmapani oder als Avaloketishvara, der vierte göttliche Bodhisattva. Es ist offensichtlich, dass der Ort seines Verbleibens diesem Territorium angehört, welches sich außerhalb des Königreiches befindet; und man sagt, er sei auf Geheiß Buddhas nach Nepal gekommen. Man sagt, dass Aryavalokiteshvara Padmapani Bodhisattva Shiva den Yoga lehrte. Auf dem Weg nach Hause, nachdem er seine Anordnungen bekam, erklärte Shiva am Ufer eines Flusses seiner Frau Parvati die Lehre. Während seiner Rede schlief sie ein, als Lokeshvar (oder Lokanath, ein anderer Name Avaloketeshvaras), sich in einem Fisch versteckte und mithörte. Von da an ist er bekannt als Matsyendranath.

Es wird angenommen, dass Matsyendranath in Wirklichkeit aus Assam kam, einer Region in Kamarupa. In einem Schrein in Kamakhya gibt es unter einem Fenster eine Malerei, auf welcher Meereswellen abgebildet sind.

Eine andere Legende berichtet davon, wie Matsyendranath nach Nepal aus Kapotal Parbat in Assam anreiste, um das Land vor einer zwölfjährigen Dürre zu retten, welche Gorakhnath auslöste. Diese Geschichte wurde schon früher erzählt. In Patana (Katmandu) in Nepal wird alljährlich eine Zeremonie zu Ehren Matsyendranaths vollführt, wobei während der Prozession sein Idol getragen wird. Es ist ein sehr antikes Idol, welches einst einem buddhistischen Kult angehörte. Dieser Brauch wurde in den Shaivismus übernommen, als dieser an die Stelle des Buddhismus trat. 

Damals wurde zu Ehren Matsyendras ein Tempel erbaut und das Fest gegründet. Das kleine Idol, welches während der Prozession getragen wird, ist rot gefärbt. Die Parade Matsyendranaths bringt den frühjährlichen Regen, ansonsten würden die Himmel ohne seine wirksame Hilfe den Leuten den Regen verwehren. 

In „Dabistan“ steht geschrieben, dass Matsyendranath Jonah war. Matsyendranath erscheint weder im brahmanischen, noch im buddhistischen Panteon, welche charakteristisch sind für Indien. Jedoch ist er gut bekannt als einer der ersten Lehrmeister in den Überlieferungen der Yogis. Gorakhnath berichtet darüber, dass Matsyendranath sein Lehrer war, welcher manchmal auch als Gründer des Kanphata-Ordens angesehen wird. Man sagt, dass es gerade er war der den Shivaismus in Nepal einführte.

Es gibt eine Legende, welche Matsyendranath einen Platz im allgemeinen hinduistischen Gefüge zuweist. Raja Udhodhar, welcher im Satya-Yuga lebte, war außergewöhnlich fromm. Als er starb, kremierte man seinen Körper, doch sein Nabel verbrannte dabei nicht. Dieser nichtverbrannte Teil wurde in den Fluss geworfen und von einem Fisch verschluckt, welcher später Matsyendra gebar. Weil er in seinem vorherigen Leben ein verdienstlicher Mensch gewesen war, wurde er zu einem Heiligen. 

In einer der Legenden machte sich Matsyendra auf zur Insel Ceylon, wo er von der Königin betört wurde. Als Gorakhnath von dem Fall seines Lehrers hörte, machte er sich auf die Suche nach ihm. Als er ihn dem Hof der Paläste auffand, brachte er ihn wieder zur Besinnung. Daraufhin ließ Matsyendra das Königreich zurück, jedoch nahm er ihre zwei Söhne mit, Parasnath und Nimnath, welche in der Folge zu den Gründern des Jainismus wurden.

In der nepalesischen Version dieser Geschichte, verließ er dank seiner yogischen Kräfte seinen Körper und ließ ihn in der Obhut seines Schülers Gorakhnaths, während er selbst in den Körper des kürzlich verstorbenen Königs einging. Sich auf seinem Platz befindend, konnte er der Versuchung nicht widerstehen. Zum Glück brachte Gorakhnath, welcher auf seinen Körper aufpasste, ihn wieder zur Besinnung und der Lehrer kehrte wieder in seinen eigenen Körper zurück.

In Nasik nimmt man an, dass Matsyendranath aus Muktinath kam, welches nördlich von Nepal liegt. Diese Referenzen verweisen auf die Verbindung von Gorakhnath und Matsyendranath, sowie die Auseinandersetzung zwischen dem Buddhismus und dem Shaivismus in Nepal. Es gibt Nachweise aus Bengalen, welche aufzeigen, dass Matsyendra der Guru von Nathamarga war, welcher Gorakhnath vom Buddhismus zum Shivaismus konvertierte. Was die anderen Lehrer angeht, welche von Khakkar und Svatmarama erwähnt werde und Gorakhnath vorausgingen, kann nur wenig gesagt werden. Die beiden letztgenannten könnten womöglich Zeitgenossen Matsyendranaths und Gorakhnaths gewesen sein, was der Tradition Gewicht verleiht. Vor Allem in Punjab, Nepal und Westindien nimmt man an, dass Goraksha ein unmittelbarer Schüler von Matsyendra war. Es gibt eine zahlreiche Liste mit den Schülern Gorakhnaths. Folgende werden von Svatmarama aufgezählt: 

Gorakhnath, Virupaksham, Bileshya, Manthana, Bhairava, Siddhibuddha, Kathadi, Karantaka, Surananda, Siddhipada, Charapati, Kaneri, Pujyapada, Nityanatha, Niranjana, Kapali, Vindunatha, Kakachandeshvara, Allama, Prabhudeva, Ghoda, Chopi, Tintini, Bhanuki, Naradeva, Khanda, Kapalika und weitere.

Höchstwahrscheinlich sind das Namen von Gurus bestimmter Strömungen. Sie sind scheinbar nicht mit anderen verfügbaren Verzeichnissen gekoppelt. Im „Jnanesvari“ zählt der Dichter folgende Namen auf: Minanath, Gorakshanath, Gaininath, Nivrittinath und Jnaneshvar; ebenso behauptet der Autor, dass er seine yogische Ausbildung durch diese Linie erhalten hat. Wie schon bereits erwähnt wurde, ist Minanath Matsyendranath. Nivrittinath, ebenfalls ein Dichter, zählt man zum dem Bruder Jnaneshvaras. 

Der Vergleich dieser Aufzählung mit derjenigen, welche im „Bahina Bai“ zu finden, wirft etwas Licht auf die Frage nach Gorakhnaths Lebensdaten auf:

1) Adinath (Shiva) lehrte Parvati (seine Frau) ein Mantra. Matsyendra erlauschte das geheime Wissen, als er sich im Leib eines Fisches befand. 2) Auf diese Weise erhielt das Wissen, welches Shiva in seinem Verstand hielt, Kraft durch Bhakti. 3) Er (Matsyendra) offenbarte seine Gnade, indem er Goraksha (Gorakhnath) die Lehre übergab. Dank ihm, wurde sie Gahini bekannt. 4) Gahini zeigte Nivrittinath seine Gunst, noch zu der Zeit, als dieser ein Kind war, und dennoch schon ein Yogi. 5) Von ihm erhielt Jnaneshvara das Wissen, und das machte ihn in Alandi bekannt, der Heimstätte der Siddhas. 6) Jnaneshvara segnete Satchitananda, dem Heim des Bhakti. 7) Desweiteren übergab Vishvambhara, in der Form Shivas, das Wissen an Raghava (Chaitanya). 8) Er übergab es an Keshava Chaitanya, und Keshava Chaitanya an Babaji Chaitanya, welcher es wiederum an Tukoba (Tukaram) übermittelte. 9) Da Bahini Tukoba vollkommen hingegeben war, erhielt sie (von ihm das Wissen).

In dieser Aufzählung gibt es zweifelsohne Lücken. Die Daten werden folgendermaßen festgelegt: Bahini Bai 1628-1700, Tukoba 1608-1649, Vishvambhara (Krishna Charianya) 1485-1533. Jnaneshvara lebte um 1290 rum.

Doch zurück zu der Erforschung der Legenden und Sagen, um herauszufinden zu welcher Zeit Gorakhnath nun lebte. 

Just in Punjab gibt es wohl die meisten Legenden, in denen Gorakhnath eine Hauptrolle innehat. Einige Legenden beziehen sich auf Guga, einen Schüler Gorakhnaths, welcher mit verschiedenen Ereignissen mit unterschiedlicher Zeitangaben verknüpft wird. Einer Version zufolge war er der Sohn von Jewar, dem Stammesführer von Bagar (etwa 50 Meilen von Sirsa), besungen in den regionalen Balladen, welche beschreiben, wie er sich mit Aurangzeba (1659-1707) im Kampfe misst.

Laut einer anderen Version, kam Guga beim Kampf mit Firoz Schach (1351-1388) aus Dehli ums Leben. Davon ausgehend kann man schließen, dass er im vierzehnten Jahrhundert starb. Eine vollständigere Geschichte weist auf eine noch frühere Zeit hin. Guga, welcher heilig wurde, wird als eine Schlangengottheit angesehen, bekannt in Punjab und de facto in ganz Nordindien. Vor allem in den unteren Kasten war er besonders populär. 

Tod ordnet ihm einen wesentlichen Platz als Held von Rajput zu, welcher noch vor Mahmud von Ghazni fiel. Die Version einer Legende aus Ambala, ebenso wie die Sicht der Auslegungen Wynards bezüglich des Raipur Raos, bestätigen Tod. Die Variante aus Firozpura macht aus Gugu einen gebürtigen Chauhan (einer der Hauptstämme Rajputas). Der Version von Bijnora zufolge, lebte er zu der Zeit, als Prihthvi Raj das Land regierte, ein Chauhan aus Dehli, und macht ihn zum Sohn eines Rajas.

Diese verschiedenen Legenden vereinen eine bestimmte Ära. Mahmud von Ghazni pilgerte oft durch Indien, seine letzte Wanderung unternahm er im Jahr 1024. Prithvi Raj starb 1192, früher als Muhammed aus Ghora. In der Nähe von Gugas Grabstätte, welche sich in etwa 200 Meilen südwestlich von Hissar befindet, lebt der Stamm der Mohammed-Chauhans, den Nachkommen Gugas, die Gogawats. Sie machten einen Teil der Streitmacht Abhai Singhs aus, zur Zeit seiner Schlacht mit Muzaffar. In Mandor, einem antiken Ort der Raos von Jodhpur, gibt es eine Galerie von Kolossen, welche aus ganzem Felsen gehauen wurde; sie besteht aus 16 Reiterfiguren, die durch die Wüste reisen. Einige sieht man auf den Pferden reitend, andere sind zu Fuß gehend abgebildet. Unter ihnen befindet sich auch Guga Chauhan. Die Kolosse wurden zur Zeit der Herrschaft Abhai Singhs (1720-50) installiert. So wurde Guga unter den antiken Helden von Marwar platziert. Außerdem besagt eine Legende, dass er als gebürtiger Chauhan zu einem mohammedanischen Fakir wurde. Er ist ebenfalls als Zahra Pir bekannt. Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass er zu der Zeit des Krieges zwischen Rajputas und den mohammedanischen Eroberern lebte, also nicht später als im zwölften Jahrhundert.

Die literarischen Arbeiten Kabirs und der Sikhs enthalten viele Verweise auf Gorakhnath. Zu der Zeit von Amar Das (1552-1574) wurden Tempel Gorakhnaths entweiht, aufgrund von bis zum heutigen Tage anhaltenden Uneinigkeiten zwischen Sikhs und den mächtigen Yogis. Gorakhnath wird wohl lange vor der Zeit, als man seinem Orden Schaden anrichtete, gelebt haben müssen, da die Legenden von Punjab ihn als einen mächtigen Anführer mit großer Gefolgschaft darstellen.

Noch früher jedoch, steht im „Janam Shakhis“ von Baba Nanak (1469-1538) verzeichnet, dass Nanak ein Gesprächspartner von Gorakhnath und Matsyendranath war. In diesen Gesprächen steht geschrieben wie Nanak viele Orte besuchte. In Ceylon wurde er aus Versehen für Gorakhnath gehalten. Bei seinem dritten Fortgang von der Welt kam Nanak in die nördliche Region zur Heimstätte Mahadevas (Shiva), welche in den Bergen liegt. Dort traf er Shiva, Gorakhnath, Bharthari und andere vollkommene Yogis (Siddhas). Während der Zeit seiner fünften Abkehr von der Welt, befand sich Nanak in Gorakhatari (Teil Peshwars). Dort traf er 84 Siddhas (Adepten), welche ihm viele Wunder zeigten. Später unterhielt er sich mit Gorakhnath. All diese Fakten und insbesondere der dritte Fortgang Nanaks aus der Welt zeigen auf, dass Gorakhnath einer früheren Zeitepoche zuzuordnen ist. Demzufolge wusste Nanak Bescheid über die Yogis des Ordens Gorakhnaths, da Bhartrihari ihm sagte: 

Die Аttribute eines Jogi sind Ohrringe, eine gesteppte Decke, Tasche, Stab (und) Horn. 

Nanak erzählt von Gorakhnath und von Siddhas. Er spricht mit Asketen im Tempel von Gorakhmata (in Pilibhit, Uttar Pradesh, heutiges Nanahmata); ihm sind Lehre und Praxis bekannt. Es war Gorakhnath, der Nanak dazu anregte ein Yogi zu werden. All diese Verweisungen deuten auf eine freundschaftliche Beziehung mit dem etablierten und bekannten Orden hin, und nicht auf eine Sekte im Frühstadium ihrer Entwicklung. 

Man nimmt auch an, dass Kabir (1440-1518), welchem Nanak zum Großteil seine Ausbildung verdankte, ein Zeitgenosse Gorakhnaths war. In der „Gorakhnath Ki Ghoshti“ ist eine Diskussion zwischen Kabir und Gorakhnath enthalten. Sich auf die Annahme Wilsons stützend, wird Gorakhnath dem 15.Jahrhundert zugeordnet. Diese Periode hat sich seit Wilson durchgesetzt und etabliert. Jedoch gibt das „Janam Shakhis“ von Kabir ein früheres Jahrhundert an. Wilson zitiert folgenden Vers aus Kabirs „Bijak“:

Gorakhnath, verzückt wie von Rama, war tot; sein Körper wurde nicht verbrannt (Jogis begraben ihre Toten), sein Leib zerfiel und wurde zu Lehm, und die Kauravas freuten sich, dass er (physisch zerstört war).

Dieser Vers erweckt den Eindruck, dass Gorakhnath schon lange tot war, und dass sein Name derart bekannt in der Sage war, dass Kabir seine Lehre erwähnte und sich auf ihn berief. Ein Ausschnitt des „Adi Grantha“ erzählt ebenfalls darüber. In diesem Buch spricht Kabir von sich wie von einem Yogi in einem vorausgegangenen Leben, und darüber was er über yogische Doktrin weiß.

Derjenige, (dessen) Atmung (durch) die sechs (mystischen) Sphären (des menschlichen Körpers) zirkuliert, dessen Gedanken werden vom Vakuum verzehrt.

Kabir verweist hierbei auf Yogis, die neun Naths; er benennt einige der kennzeichnenden Besonderheiten eines Yogis, wie z.B. Ohrringe, ein gesteppter Umhang, yogische Posen, ein Horn, eine Tasche, ein Stab, verworrene Haare, und den Ausruf: „Gorakh, Gorakh!“ Es ist offensichtlich, dass zu der Zeit Kabirs, Gorakhnath schon als berühmte Persönlichkeit der Vergangenheit bekannt war.

Ein anderer Zyklus von Legenden aus Punjab über Raja Rasalu und seinen Blutsbruder Puran Bhagavat stehen eng in Zusammenhang mit Gorakshanath. Der Name Rasalus ist weit bekannt von Afghanistan bis Bengalen und Puran ist einer der meistbekannten Heiligen Punjabs. Sie wurden beide zu Nachfolgern Gorakhnaths, insbesondere Puran erlangte Berühmtheit als Yogi. Die Kuhle (Grube/Mulde) an dem Puran für zwölf Jahre begraben war, wird heute noch in Sialkot vorgezeigt. Rasalu war Sohn eines bekannten Shalavahans aus Sialkot. Wenn es möglich wäre, die Lebensdaten des namhaften Rajas herauszufinden, dann könnten sie wohl auch Licht auf die Zeitperiode von Gorakhnaths Existenz werfen. 

Im Jahre 1884 wurde im Tempel Fakten präsentiert, welche besagen, dass Rasalu dem Anfang des achten Jahrhunderts einzuordnen sei. Dem Stammbaum Rasalus zufolge, folgen auf ihn sieben Jats in Punjub, welche sich in zwei Gruppen unterteilen, die Siddhus und die Samsis. Die erste Linie entstammt dem Rajput-Prinzen Jaisalu, welcher Jaisalmir etwa im Jahre 1156 gründete und 1168 verstarb. Die Samsis werden derselben Linie bis Raja Gaj zurückgeführt, dem Vater des großen Shalavahans.

Shalavahan hatte viele Söhne, Puran war der zweite unter ihnen, und Rasalu der dritte. Tod behauptet, dass Raja Gaj sein Königreich erfolgreich gegen König Khurasanu in Ghazni verteidigte, jedoch später getötet und von seinem Sohn ausgetauscht worden sei. Shalavahan trat in dem von ihm eroberten Punjab zurück, an der Stelle wo Sialkot gegründet wurde. Später eroberte er Ghazni zurück. Raja Gaj wird dem Ende des siebten Jahrhunderts zugeordnet. Demzufolge müsste Rasalu zu Anfang des achten Jahrhunderts gelebt haben. Diese Schlussfolgerung wird durch die Schlachten der hinduistischen Oberbefehlshaber in Afghanistan ab 697 n.C. bestätigt. Es ist offensichtlich, dass Rasalu eine entscheidende Rolle zu Beginn dieser Schlacht spielte.

Es gibt noch einen Verweis auf einen prominenten Charakter, der auf der Hinduseite stand, die Moslems bekämpfte und dessen Name verschiedentlich auftritt. Er wird in vielen arabischen Geschichten, welche von den heiligen Kriegen an der Grenze zu Indien erzählen, dargestellt; ebenso spielte er eine beachtliche Rolle in den Ereignissen im Tal Kabuls, welche in etwa im achten Jahrhundert begannen. Der indische Anführer Ranbal besiegte Abdullha, den Gouverneur von Seistan, im Jahre 697, und nahm eine besondere Stellung in den Ereignissen ein, welche sich in den Jahren von 700-703 ereigneten. Im Jahr 712 wurde im Sind ein Abkommen zwischen Muhammad Qasim und dem hinduistischen König Rasil beschlossen. Der bereits erwähnte Name hat folgende Schreibweisen: Zantil, Zanbil, Ratbil, Retpeil, Ratbal, Raptil, Rantal, Ratteil, Rabyl, Ratpeil und Ranbal. In zeitgenössischen Legenden wird Rasalu auch Risalu, Salu, Rasal und Risal genannt. Falls Risal identisch mit Rasalu ist, so wie es der Tempel annimmt, so ist es wahrscheinlich, dass Gorakhnath nicht später als zur Zeit des 8.Jahrhunderts lebte. 

Einige Autoren behaupten, dass Rasalu noch früher lebte. Princep würde das Jahr 400 unserer Zeitrechnung nennen, während Frau Steele behauptet, dass Shalavahan im Jahr 78 n.Chr. lebte. Dr. Hutchinson, welcher vor einigen Jahren ein geographisches Handbuch über Sialkot erarbeitete, meint, dass Rasalu ein Punwar Rajput war, welcher dem Volk der Yadubamsi angehörte, welche wiederum in Rawalpindi lokalisiert werden, später bekannt als Gajpur. Dieses Volk wurde von Indo-Skythen vertrieben und kehrte zurück in den Osten Jhelums, an dem Ort wo Shalavahan Sialkot gründete. Rasalu ersetzte seinen Vater, Shalavahana, etwa zu Ende des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Scheinbar, folgte auf ihn ein Indo-Skythe namens Raja Hudi. 

Diese Daten zeigen auf, dass es Sagen gibt, welche diejenigen Kabirs widerlegen, und auf eine frühere Epoche der Existenz Gorakhnaths hinweisen. Die Geschichte von Gorakhnath und Puran Bhagavat, welche schon äußerst lange existiert, gibt Anlass dazu, die Lebensdaten Gorakhnaths dem achten Jahrhundert zuzuordnen, so wie es auch der Tempel annimmt; oder noch früher, wie Dr. Hutchinson es vorschlug, was sich aber noch durch andere Quellen bestätigen lassen muss. Am wenigsten Gewicht haben wohl die Legenden aus Punjab über Guga, Rasalu, Puran und Shalavahana, welche auf einen Kampf zwischen Moslems und Hindus zum Ende des zwölften Jahrhunderts verweisen.

Sehr wertvoll hingegen sind die wohl bekannten Kommentare Jnaneshvars zur Bhagavad Gita, denn der Autor verkündet, dass er ein Yogi war und Schüler Gorakhnaths. 

Sich auf diese Tradition berufend, welche auf Namdev basiert, verkündet R.L.Pangarkar in seiner „Shri Jnaneshvaramaharaja Charita“ (Puna, 1912), dass Gorakhnath im Hause Govindapanths verweilte, dem Großvater Jnaneshvaras (S.32), und dass Gaininath der Guru von Vitthala war, dem Vater Jnaneshvaras (S.32). Bhave gibt die Tradition an, um die einstige Verbindung zwischen Gorakhnath und Jnaneshvaras Großvater, Govindpanth, aufzuzeigen. Er zeigt auch auf, dass der Vater Govindpanths unter Jaitrapal aus Bira um 1207 arbeitete, und sein Verständnis für Religion Gorakhnath zu verdanken hatte. Derselbe Autor (Bhave) ist der Meinung, dass die Vergleiche und Hinweise von Ausschnitten aus dem „Goraksha-Amarsamvad“ und dem „Jnaneshvari“ ziemlich übereinstimmend sind und sehr wahrscheinlich aus derselben literarischen Linie stammen könnten. Die Urheberschaft des „Goraksha-Amarsamvad“ wird Gorakhnath zugeschrieben. Deshalb nimmt er an, dass zwischen den Vorfahren Jnaneshvars in zwei-drei Generationen eine enge Beziehung zur Natha-Sampradaya bestand. Bhave spricht auch davon, dass die Natha-Sampradaya etwa im zwölften Jahrhundert in ganz Maharashtra weit verbreitet war. 

Im „Jnaneshvari“ wurde ein literarischer Verweis auf Gorakhnath gefunden, welcher ihm einen bestimmten Platz in der Historie gewährt. Sofern man das übliche Datum der Entstehung des „Jnaneshvaris“ auf 1290 schätzt, so müsste Gorakhnath nicht später als um 1225 gelebt haben. Jedoch gibt es einige Uneinigkeiten in Bezug auf das Datum des Werkes, obwohl man auch sagen kann, dass die Arbeit nicht später als zu 1290 geschrieben wurde, es aber durchaus möglich ist, dass es schon früher gewesen war.

Dr. Justin E. Abbott schrieb jüngst in einer unveröffentlichten Arbeit über die vier Manuskripte des „Jnaneshvari“, dessen genaue Daten nicht bekannt sind. Er merkt an, dass die gefundenen Daten in anderen Arbeiten eingefügt worden sind, und dass es bearbeitete Handschriften mit unbekannten Daten gäbe, weshalb das Erscheinungsdatum des „Jnaneshvari“ durchaus früher hätte sein können. Die Sprache des „Jnanehvaris“ ist ziemlich archaisch, was zur Vermutung veranlasst, dass es schon vor dem Jahr 1290 entstand. Sich auf das „Jnaneshvari“ berufend, könnte man annehmen, dass Gorakhnath schon um 1100 unserer Zeitrechnung lebte. Bhave würde wohl das zehnte oder elfte Jahrhundert angeben.

Es existiert noch ein anderer Zyklus von Legenden, welche sich um Gopichand, Rani Pingla und Bhartrihari (Bhartri) drehen, der von Bengalen bis nach Westindien und bis zum Sind verbreitet, und auch in Punjab nicht unbekannt ist. 

Gopichand ist in einer bekannten Legende aus Sind auch bekannt als Pir Patao. Diese Geschichte bezieht sich auf das erste Jahrzehnt des dreizehnten Jahrhunderts, da man annimmt, dass der Heilige im Jahr 1209 verstarb. Pir Patao lebte in einer Höhle in Pir Arr, auf einem Hügel bei Thatha an der Mündung des Flusses Ind, etwa zwanzig Meilen von der heutigen Bahnhofsstation Jungshahi entfernt. Die Hindus nennen ihn Gopichand. 

Die Geschichte von Gopichand wie man sie im Osten kennt, findet man im „Lied von Manikchandra“. Manikchand, ein Fürst, welcher in der Gegend von Rangpur im östlichen Bengalen lebte, war der Bruder von Dharmapala. Die Pala-Dynastie verschwand in Bengalen im Jahr 1095. Die Yogis kamen an die Macht während der Herrschaft der Palas. Die Frau von Manikchandra war die Mutter Gopichands und eine Anhängerin eines Putzmannes, welcher Hadi hieß, einem Yogi aus dem Orden Gorakhnaths. Sie verfügte über magische Kräfte. 

Grierson nimmt an, dass der Yogi Hadi die Bewegung der Kanphata Yogis ostwärts von Nepal repräsentiert. Sen ist anderer Meinung, was die Richtung der Bewegung angeht. Die Kanphata Yogis der Umgebung Rangpurs, singen und preisen das Lied von Manikchandra; sie sind Anhänger von Shiva Pashupata, welche Gorakhnath als Guru ansehen. Folglich lebte Hadi schon in der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts. Gorakhnath ging Hadi voraus. 

Dinesh Chandra Sen merkt an, dass es im „Dharma Mangala“ viele Verweise auf Minanath, Gorakhnath, Hadipa und Kalupa gibt, welche er als buddhistische Heilige vermerkt. Er behauptet zudem, dass die Balladen über die bengalischen Pala-Könige eine buddhistische Note hätten, und dies sei ein Zeichen für die erstaunlichen Fähigkeiten, über welche Gorakhnath und Hadisiddha verfügten. Sie waren populär. Hadi gehörte zum Stamm der Dom. Überdies fügt Sen an, dass der Dharma-Kult, welchem diese Heiligen folgten von Ramai Pandit dargelegt wurde, welcher Ende des zehnten Jahrhunderts geboren wurde; dass sein Zeitgenosse Dharma Pala V, dem Anfang des elften Jahrhundert zugeordnet wird; und dass Manikchandra Pala, welcher in der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts lebte, ebenjener Manikchandra ist, dessen Lied von Grierson übersetzt wurde. 

Über die Mutter Gopichands, Manavati, meint man sie sei die Schwester Bhartiharis, welcher den Thron nach dem Tod von Rani Pingla, der Königin Ujjains, verweigerte, zugunsten seines Bruders Vikramaditya (Chandragupta II.). Bhartrihari (Bhartri) wurde zu einem Gorakhnathi. Zu seinen Ehren wurde einer der Kanphata-Zweige benannt. Vikramaditya regierte in Ujjain von 1076 bis 1126. Man kann davon ausgehen, dass der Tod Rani Pingalas zu Ende des elften Jahrhunderts stattfand.

Eine andere Version der Geschichte über Rani Pingala macht sie zu der Frau von Raj Bhoj, dem König von Dhar (Malwa), welcher von 1018 bis 1060 regierte. 

Alle Hinweise zu Gopichand, Bhartri, Bhoj und Rani Pingla deuten darauf hin, dass Gorakhnath nicht später als zu Anfang des elften Jahrhunderts lebte. 

Zudem gibt es historische Daten, welche diese bengalischen Gleichnisse stützen. Die Palas waren Plebejer, welche zum Königtum gewählt wurden (Shastri, S.3); die Periode ihrer Herrschaft dauerte vom achten bis zum zwölften Jahrhundert. Zur Zeit der Regentschaft des dritten Königs dieser Linie, ging die Verehrung des Dharmas als Gott in die Tradition mit ein, dank des Einflusses von Ramai Pandit. Die Schwester Devapalas, Mayana, trat aktiv für Pandit ein. Der nächste König ist der einzige aus der Linie, welcher dafür bekannt ist, dass er den Pashupatas Land überließ. Man sagt, deren Tempel wurden zu tausenden erbaut (Shastri). Die Konflikte mit den Pratiharas hätten diese Beziehungen ermöglicht, inspiriert durch die Geschichten mit Bhoj und Bhartri. 

Mahipala (vor dem Jahr 1020) verfolgte die Entwicklung der Volksliteratur und das Vordringen der tantrischen Götter Bhairava und Bhairavi in die populäre buddhistische Religion. So wurden auch die Naths zu Objekten der Verehrung. Ramanavajra, ein buddhistischer Asket des Vajrayana, wurde ein Nachfolger Matsyendranaths (siehe oben, S.151 und S.277) und Shivait, welcher dem Natha-Marga angehörte und den Namen Goraknath annahm (Shastri, S.9). Unter den großen Naths wird nur er von den Buddhisten als Häretiker angesehen. 

Govinda Chandra (Gopichand) war ein Zeitgenosse Mahipalas und wird dem elften Jahrhundert zugeordnet (Shastri). Außerdem gibt es in Rajputan eine Sage, welche Gorakhnath und Bappa als Verbündete ansieht, zuzuordnen dem achten Jahrhundert. Bappa aus Mewar wuchs in der Wildnis von Udaipur auf. Die Geschichte besagt, dass er einst einen Einsiedler namens Gorakhnath traf, welcher ihm eine zweischneidige Waffe gab, mit welcher er seinen Weg zum Thron Mewars freilegte. 

Tod verknüpft die Geschichte mit der, als Pushpavati, die Tochter des Pramar-Prinzen Chandravati, aus ihrer Pilgerfahrt in der Wüste Amba Mata in ihr Land wiederkehrte, nachdem sie von der Beraubung Vallabhis durch die Maitrikamas erfuhr. Ihr Herr, der Prinz der Sonnendynastie, ist dabei ums Leben gekommen. Die Königin fand Zuflucht in einer Höhle in den Hügeln von Malia, wo sie einen Sohn gebar. Sie ließ ihn unter der Obhut eines Brahmanen, unter der Bedingung, dass er wie ein Brachman erzogen werde und eine Rajputni heiraten würde. Daraufhin zündete sie für sich ein Begräbnisfeuer an. Die Pflegemutter nannte das Kind „Goha“, was so viel bedeutet wie „aus der Höhle geboren“. Jedoch stammt das Wort von „Guha“ oder „Guhasena“, dem vierten und wahrscheinlich ersten großen Heldenmonarchen Vallabha (559-567) ab. Zu der Zeit als er heranwuchs, wurde er zu einem Freund der Bhils und später auch zu ihrem König, der Idara regierte, südlich vom Berg Abu. Der neunte nach „Goha“ in dieser Linie war Bappa oder Bapa, welcher den Häuptling Morisa von Chitor im Jahr 728 stürzte, und der Gründer der Dynastie der Mewars war. Die Niederlage Vallabhis fand im Jahr 524 statt. Dieses Datum passt mit dem Jahr 728 aus Sicht der Chronologie der Tradition überein.

Es gibt ergänzende Materialien, welche sich auf Bappa und Yogis beziehen. Der bekannte Tempel Eklingaji, zu Norden von Udaipur, wurde von Bappa gegründet. Einst hütete Bappa Hornvieh auf den benachbarten Hügeln und eine der Kühe benahm sich sehr merkwürdig. Als er es beobachtete, stolperte er über ein Lingam Mahadevas. An diesem Ort wurde der Tempel erbaut. Der Weise, den Bappa dort traf, wurde zu seinem Lehrer und Bappa wurde eingeführt in die Geheimnisse Shivas. Die Gemahlin Shivas verlieh Bappa eine göttliche Waffe, und der Weise machte ihn unverwundbar gegenüber jeglichen Waffen.

Die Aufschrift in Devanagari, welche in einem Nebenraum der Tempelanlage gefunden wurde, wird dem Jahr 971 zugeordnet; der Stil ist charakteristisch für das zehnte Jahrhundert. Sie bestätigt die Tradition und weist auf eine noch ältere Existenz des Tempels hin. Der Standort des Tempels über den Ruinen von Nagahrada (Nagda, Nagendra) zeigt auf, dass die Erklärungen von Tod bezüglich Bappa einen historischen Bezug haben. Diese Aufschrift wurde wohl zur Zeit der Gründung des Tempels gemacht, zu der Zeit als Bappa Chitor befreite. Der Lagerraum diente damals als Tempel der Naths. Die Aufschrift bezeugt auch, dass die Tradition der Ranas von Udaipur als Minister in dem Tempel diente. Der Eremit, dem Bappa begegnete, war womöglich Gorakhnath. In diesem Fall könnten die Lebensdaten Gorakhnaths nicht später als dem Beginn des achten Jahrhunderts zugeordnet werden können. 

Es wurde eine interessante Münze mit Bappas Prägung gefunden und wurde jüngst beschrieben in einer Publikation der Zeitschrift der asiatischen Gemeinschaft Bengalens. Auf der Kopfseite der Münze sieht man die für das achte Jahrhundert charakteristischen Worte „Shri Voppa“, einen Dreizack, ein Shivalingam und einen Stier. Unter ihnen kann man das Abbild eines sich verbeugenden Menschen mit durchgestochenen Ohren sehen. Auf der anderen Seite ist eine Kuh abgebildet. All deutet auf die Legende, welche oben bereits ausgeführt wurde.

Es ist wohl wahr, dass zu der Zeit in Rajputana die shivaitischen Asketen größtenteils der Lakulisha-Sekte angehörten. Jedoch wird laut der Inschrift aus dem Jahr 1287, welche die Einweihung der fünf Lingams im Somnath-Tempel verkündet, neben dem Namen Lakulisha, auch der Name Gorakhnaths erwähnt. Bhandarkar behauptet, dass Lakulisha ein allgemeiner Name sei, welchen shaivische Sekten in Inschriften verwendeten (von 943 bis 1285). Wenn man dies berücksichtigt, so ist es wahrscheinlich, dass Gorakhnath zu der Zeit Bappas schon bekannt war. 

Eine besondere Aufmerksamkeit wurde den nepalesischen Legenden von dem Treffen Matsyendranaths mit Gorakhnath in Patan zuteil. 

Spätere Überlieferungen und Münzen können nicht dabei helfen die Lebensdaten Gorakhnaths festzustellen. Ebenso gibt es eine grundlegende Geschichte, welche sich auf Matsyendranath und seinen Schüler bezieht. Die Wurzeln der Geschichte gehen einige Jahrhunderte zurück und werden klar dank einer Inschrift, welche Vallee Poussin zitiert. Diese zeigt, dass Matsyendranath und seine Beziehungen zu Yogis wie sie in der Geschichte mit dem Fisch repräsentiert wird, und auch als Lokeshvar, schon im Jahr 792 überliefert worden waren; Nepali Samvat 1672. Matsyendranath repräsentiert die Vereinigung des Pashupata Shaivismus und des Buddhismus in Nepal. 

Im „Vamshavali Parbatiya“ wird gesagt, dass Matsyendranath in Nepal zu der Zeit der Herrschaft von Bardeva (Varadeva) verweilte, um Gorakhnath zu treffen. Dieser König lebte nicht später als zu Mitte des achten Jahrhunderts. Den Walsh-Münzen der Dynastie, welcher Vardeva angehörte, zufolge regierte diese Linie von 635 bis 751. Die Chronologie, welche auf den Moneten basiert, verweist Bardeva um das Jahr 700, zumindest nicht später als Mitte des achten Jahrhunderts. Levi verweist Narendradeva, den Vater Bardevas, ebenso in die Mitte des achten Jahrhunderts. Der Vater lebte zu der Zeit, als Gorakhnath nach Nepal kam.

Neben den literarischen Quellen und Legenden gibt es auch noch archäologische Belege, welche dabei helfen können, die Lebensdaten Gorakhnaths festzulegen. Unter den Yogis gibt es verschiedene Meinungen darüber, wer als erster damit begann die Ohren durchzustechen und Kundals (Ohrringe) zu tragen. Auf jeden Fall wird diese Praxis eng mit Matsyendranath und Gorakhnath in Verbindung gebracht, und erst sekundär mit Shiva. Im brahmanischen Tempel in der Höhle Ellora (Kailash) gibt es eine Murti Shivas als Mahayogi mit Kundals. Dieser Tempel wird dem Beginn des achten Jahrhunderts zugeordnet. Eine ähnliche Murti Shivas als Yogeshvara befindet sich auf der Insel Salsette, man weist sie der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts zu. 

Der Erbauer des Parashurameshvara-Tempels in der Nord Arkot-Gegend hatte für den Bau offensichtlich die Form eines Lingams als Plan für seine Konstruktion im Kopf. Das Lingam hat die exakte Form eines Phallus und ist der einzige in Südindien seiner Art. Auf dem Lingam ist ein Abbild Shivas mit zwei Händen eingraviert. In der rechten Hand hält er eine Damaru, in der linken ein Wassergefäß. Auf seiner linken Schulter ist eine Kriegsaxt platziert. Seine Haare sind verworren und er steht auf einem Rakshasa. Auf der Figur kann man zerstochene Ohren und Kundalas sehen, welche charakteristisch für Gorakhnathis sind. Die Aufschrift kündet davon, dass der Tempel im Jahr 1126 wiedererbaut worden ist. T.A. Gopinath Rao, welcher den Tempel und das Lingam beschrieb, bestand darauf, dass das gravierte Lingam, auf dem Shiva mit den zerstochenen Ohren und Kundalas zu sehen ist, nicht später als dem zweiten oder dritten Jahrhundert zu datieren sei. Jedenfalls erscheint es so, dass die Abbildung spätestens dem zwölften Jahrhundert zugeordnet werden kann.

Nun wurden die relevanten Daten gesammelt um die Lebensdaten Gorakhnaths ermitteln zu können. Die Hinweise kann man auf etwa vier Perioden teilen. Allen voran gibt es Assoziationen mit den Namen Kabirs und Nanaks, jedoch wurde aufgezeigt, dass die Hinwiese Gorakhnath einer früheren Periode zuweisen. 

Da gäbe es die Periode des elften und zwölften Jahrhunderts, die Zeitspanne des hindu-muslimischen Konfliktes, welcher vor allem im Nordwesten ausgetragen wurde. Zu dieser Periode zählt man die Legendenzyklen über Guga; literarische Hinweise von den Naths aus Westindien, Jnaneshvar miteingeschlossen; die bengalische Tradition der Shaiva-Buddhisten, inklusive dem Dharma-Kult; sowie archäologische Fragmente aus Südindien. Die Zerstörung des Schreins in Gorakhpur im dreizehnten Jahrhundert könnte man ebenso diesen Daten zuordnen. Dieses ganze Material stützt sich auf eine Zeitperiode, welche nicht später als dem Jahr 1200 zuzuordnen sei, jedoch würde die Mehrheit wohl ein Datum wählen, welches ein Jahrhundert früher stattfand. 

Dann wäre da noch die dritte Annahme, die Periode des siebten-achten Jahrhunderts. Hierfür sprechen die buddhistisch-shivaitische Tradition Nepals, welche von Narendradeva ausgehen; Bappa aus Udaipur; Rasalu und Hodi aus dem Nordwesten; und ebenso Ausschnitte von Referenzen über Shankara im Osten und in Nepal. Obwohl es erscheint, dass diese Daten nicht ausreichend wären um zu beweisen, dass Gorakhnath so in einer solch frühen Zeit lebte, so sollte man unter Anbetracht der Quellen dennoch berücksichtigen, dass die Periode vom siebten bis zum zwölften Jahrhundert als eine des Niedergangs des Buddhismus und Aufstieg des Shaivismus gilt, und dass dieser seinen Höhepunkt im zehnten-elften Jahrhundert hatte. Besonders zu Zeiten Shankaras (788-850) entwickelte die Bewegung einen starken Zuwachs. Den Gipfel des Aufeinandertreffens des Buddhismus und des Shaivismus in Südindien fand im siebten Jahrhundert statt. In Nepal wurde der Shaivismus schon früh eingeführt. Schon im Jahr 627 gab es sieben shivaitische Schreine in Nepal. Im Osten gibt es eine Sage, welche behauptet, dass die Shaiva-Yogis aufgrund von Trunkenheit von Shankara verdammt wurden.  

Schließlich gibt es noch einige Meinungen, welche auf ein noch früheres Datum verweisen.

Wenn man nun alle Daten zusammennimmt, kann man davon ausgehen, dass Gorakhnath nicht später als zum Jahr 1200 lebte, also in dem zweiten der vier oben genannten Perioden. Und es wäre wohl auch nicht unangemessen, wenn man sein Leben in ein früheres Jahrhundert einordnen würde; da, wenn man davon ausgeht, dass die Daten Jnaneshvaras korrekt sind, die bengalische Literatur und Tradition mit derjenigen aus Westindien übereinstimmen würde. Auch die Aufschrift in Somnath (aus dem Jahr 1278) würde dies bestätigen, da der Fakt, dass Gorakhnath schon so früh einen Tempel und Bildnis hatte, darauf hinweist, dass er wohl schon mindestens ein Jahrhundert zuvor lebte. 

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem uns weitere Daten zur Verfügung stehen, kann man davon ausgehen, dass Gorakhnath nicht später als um 1200 lebte; wahrscheinlich zu Beginn des elften Jahrhunderts, und dass er ursprünglich aus Ostbengalen kam.

Übersetzung der Natha Yoga Schule


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