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Asanas

Asanas 03.05.2022
Die Nathas verstehen unter einer Asana eine Stellung, in der man fähig ist den Fluss des Pranas im Körper zu spüren und die Arbeit der Sinne auszuschalten, oder besser gesagt die Wahrnehmung umzuschalten. Wenn eine Asana dazu nicht befähigt, wozu ist sie dann gut? Wenn der Körper krank ist und die Krankheiten das Bewusstsein stören, so wird es schwierig den Geist auf innere psychophysische Prozesse zu lenken. Eine ruhige und stabile Stellung erlaubt es uns das Fließen des Pranas im Körper besser zu spüren, dieses zu kontrollieren, ebenso wie die Sinne. Deshalb braucht man schwierige Asanas lediglich dafür, um von der groben Empfindung des Körpers zu einer feinen Wahrnehmung überzugehen.

Wenn man Yoga mal nüchtern betrachtet, so wird auch klar, weshalb die Leute sich in den Asanas so abmühen. Yoga setzt sich nicht zum Ziel alle möglichen und unmöglichen Asanas zu machen, damit einem alle applaudieren, woraufhin man sich selbst zum Yogi ernennt. Asana ist letzten Endes nur ein Instrument. Wenn ich ein Schwert in die Hand nehme, jedoch ein schlechter Kämpfer bin, so wird es keinen Nutzen haben, dass ich eines in der Hand habe. Man kann sogar erlernen schön mit dem Schwert herumzuschwenken, jedoch nur bis zum ersten Schlag des Gegners, da das Schwert einem dann aus der Hand fällt. So verhält es sich auch mit der Asana, sie sollte nicht nur schön aussehen, es sollte so sein, dass man kein Unwohlsein in ihr verspürt und man sich lange in einer bestimmten Stellung befinden kann. Der Geist sollte zusammen mit dem Körper ruhig werden, befriedigt, dann wird «das Instrument» namens «Asana» einen echten Nutzen in der spirituellen Praxis haben.

Die Nathas verstehen genau, dass Yoga in erster Linie ein spiritueller Pfad ist, und deshalb ist Yoga nicht darauf ausgerichtet jemandem nach außen hin als Yogi erscheinen zu lassen. Yogis können aus einfach erscheinenden Sachen eine Praxis machen, welche einen ziemlich gut entwickeln kann.

Für die Stabilität in der Asana- und Pranayama-Praxis ist ebenso ein inneres Niveau unumgänglich, weshalb es keine Garantien dafür gibt, dass Asanas und Pranayamas einen zu psychophysischer Transformation führen, solange man nicht die eigene Gewissheit hat, dass man Yoga als Pfad zur spirituellen Erlösung ausgewählt hat. Für einen Yogi ist Vairagya (Enthaltung) wichtig, nur dann bringen die Techniken dem Yogi ernsthafte Resultate. Eben auf eine solche Yoga-Praxis sind die Nathas eingestellt.

Und dennoch, persönlich denke ich, dass Asanas sogar dann einen Nutzen bringen können, wenn sie äußerlich und innerlich nicht qualitativ ausgeführt werden. Die Asana-Praxis gleicht der Mantra-Praxis: Wenn man eine Purashcharana durchführt, erbringt das Mantra nach langem Rezitieren Siddhis, so ist es auch mit der Asana, die mit der Zeit zu einer vollkommenen Ausführung führt, sowohl in der äußerlichen Durchführung, als auch im innerlichen Zustand.

Jedoch bedeutet das nicht, dass man das Mantra so schnell wie möglich «runterrattert», man hat es mit voller Aufmerksamkeit zu rezitieren auf jeglicher Praxis-Stufe. So ist es auch mit der Asana, egal wie oft man sie schon gemacht hat, man muss danach streben sie in einem natürlichen, ruhigen Zustand zu machen. Der Effekt der Asana hängt von der spirituellen Stufe ab, auf der sich der Sadhaka (Praktiker) befindet, davon wie religiös er ist. Ganz genau, inwiefern der Mensch religiös und rein in seiner Absicht ist, wenn er mit dem Hatha-Yoga beginnt, insofern hängt es ab, welchen Nutzen Asanas, Pranayamas und Mudras ihm bringen werden. So einfach ist das.

Der Sadhaka macht die Asana, und nicht die Asana den Sadhaka. Nicht das Schwert gibt dem Krieger die Kraft, selbst wenn es ein heiliges Schwert ist und große Meister es in ihren Händen hielten, nur in der Hand eines starken Kriegers hat das Schwert einen realen praktischen Wert.

Die Frage der Zielsetzung zur Wirksamkeit der Asana-Praxis

Raja-Yoga und Hatha-Yoga kommen ohne einander nicht aus, in etwa so wie Tantra ohne seinen inneren Inhalt (Yoga) nicht auskommt. Daraus kann man schließen, dass in den Asanas Prinzipien transzendenter Zustände abgebildet werden. Asanas sind Formen, welche diese oder jene Abstufungen der Shakti symbolisieren, in deren Inneren ein Teil des Bewusstseins Shivas verweilt. Shiva und Shakti erschaffen Strukturen der Wechselwirkung verschiedener Energie- und Bewusstseinsstufen.

Diese Stufen sind mit den Asanas verbunden. Wir können sie nur intuitiv erreichen, indem wir Reinheit und volle Ausgeglichenheit auf Körper-, Prana- und Geistesebene erlangen. Die Hatha-Yoga Techniken unterscheiden sich etwas vom tantrischen Ritualismus, jedoch sind sie den Ebenen nahe, denen die rituelle Symbolik entspringt, also Sahaja (angeborene, ursprüngliche Natur) als Zustand, wie auch als Art der Praktik. Eine der Hauptaufgabe der Yoga-Asanas ist es die Verspannungen aus dem Körper zu nehmen, ihn einem leeren Gefäß (ghata) ähnlich zu machen, welcher offen für Lebenskraft und Bewusstheit ist, wobei diese Verbindung immer da ist, jedoch für jeden unterschiedlich.

Indem man Asanas ausführt, verstärkt man seine Verbindung zu feineren und stärkeren Zuständen des Pranas. Dementsprechend entwickelt man immer stärker seinen vollkommenen Zustand, deshalb sagt man auch, dass von allen Asanas die Siddhasana (Pose des vollkommenen Lebewesens) die wichtigste ist. In der Natha Tradition gibt es vollkommene Geschöpfe, daher kommt auch die Notwendigkeit Yoga mit einem solchem Begriff wie Bhakti zu verbinden, wobei es sein kann, dass es sich etwas dabei von dualistischen Ansätzen unterscheidet.

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Für das richtige Verständnis im Yoga spielt die Zielsetzung (wofür man etwas und was man macht) eine sehr große Rolle. Leider habe ich in Russland noch keine Leute gesehen, die sich in diesem Thema gut auskennen und in der Lage sind zu erklären, wie eine Art von Yoga mit einer anderen zusammenhängt. Daher kommen auch die verzerrten Ansätze zu den verschiedenen Gliedern des Yoga: Asanas, Pranayamas, Bandhas, Mudras, usw.

«Religiöse» Tantriker haben ihre Ticks, Yogis ihre eigenen; die einen sprechen über die Wichtigkeit des Körpers in der Praxis und führen alles zum Hedonismus, andere betäuben die spirituellen Ideale des tantrischen Yoga, indem sie daraus ein «Fitnesskonzept yogischer Praxis» machen. Paradoxerweise nennt sich die letzte Kategorie mit Stolz «echte Praktiker», und je länger sie daran glauben, desto weniger haben diese Leute einen Bezug zu dem Yoga, welches die Nath-Meister lehren. Um es noch einmal deutlich zu machen: Wichtig ist die Orientierung auf das richtige Ziel in allen Yoga-Praktiken, unabhängig davon, welche es sind. Nur so kann man von der Praxis vollwertige Früchte erhalten und nicht anders. Deshalb werden die Asanas auch mit den 84 Siddhas assoziiert.

Vor einigen Jahren, als ich begann Dikshas zu übergeben zur Verehrung Gorakshanaths, waren viele Yoga-Lehrer darüber verblüfft und es gab auch viele, die sagten: «Nunja, er lehrt Yoga, er lehrt Mantras. Entweder hat er nichts drauf, oder die Naths in Indien haben solche «erfahrenen Praktiker» satt.» Nach wie vor ist diese Situation einfach nur komisch, denn diese Leute verstehen nicht, dass sie, Standard Yoga-Stereotypen lebend, nicht in der Lage sind ohne die Orientierung auf den Zustand die Natur Gorakshanaths zu verstehen, worauf Asana und andere Natha-Praktiken ausgerichtet sind.

Sie streiten sich darüber, was wohl besser ist: In Vinyasas rumzuhüpfen oder auf die Konfigurationen des Körpers nach Aiyengar usw. zu achten; und sie verstehen nicht, dass die Schulung mit der Fähigkeit beginnt die Lehrer zu erhören, und diese wenigstens auf der Ebene minimaler Achtung anzusehen. Niemand hat sie das je gelehrt, deshalb verändert das Standard Hatha-Yoga die Menschen weder persönlich noch wesentlich. Manche «Wehwehchen» des Körpers kann die Gymnastik temporär vertreiben, aber auch nur bis zu einem gewissen Grad. Doch eine jegliche Yoga-Art ist ein spiritueller Pfad und erfordert ein ernsthaftes Verhältnis: Hatha-Yoga ist nicht weniger heilig als Japa oder Puja, nicht umsonst wird im Tan-Prakasha Hatha Yoga als Upasana-Form angesehen. Daher gibt es die Übergabe in der Tradition nicht in Form von Asanas, Pranayamas, Ausstrecken der Zunge, usw., sondern als Janeu-Schnur, welche man für die Verehrung Gorakshanaths verwendet, Kundalas, welche die vollkommene Hingabe dem Yoga-Pfad und Guru Gorakshanath bedeuten.

Verschmelzung des Körpers mit dem Geist

Die klassischen Yoga-Texte sprechen davon, dass die Asana sthiram sein sollte – stabil/stetig und sukha – leicht. Gorakshanath spricht in einer Reihe von Texten davon, dass die Asana ein Zustand des Verweilens in einem ruhigen Bewusstsein und in der wahren Form ist. Dementsprechend widerspricht es nicht den Mantras, welche wir auf die Asana lesen, die als Unterlage aus Kusha-Gras, Tiger- oder Antilopenfell dient.

Das sind in Wirklichkeit wichtige Dinge, welche die Gymnastik-Praktiker nicht verstehen können. Eine Übersetzung des Asana-Mantras lautet in etwa so: «man maru maida karu…» – meine Asana ist der Stillstand «maru» (der Schwankungen des Geistes), meine Asana ist die Anwesenheit der fünf Formen Ishvaras, usw. All diese Mantras sind ihrer Übersetzung nach außergewöhnlich.

Indem wir die Mantras lesen, reinigen wir den Raum und machen den Geist ruhig und stabil. Die Ruhe des Geistes hängt mit dem Atem zusammen, deshalb sollte man in den Asanas danach streben die Atmung in einen befriedigenden Zustand zu bringen, jedoch nicht mit Gewalt über die Ein- und Ausatemzüge, sondern auf natürliche Weise. Natürlich kann das nicht passieren, wenn man gleich mit schwierigen Asanas beginnt, und künstlich versucht den Atem anzuhalten.

Die Asana wird dann erschlossen, wenn in ihr der Atem und auch Vritti verstummt, wenn der «sehende Purusha, der Atman sich in seiner wahren Form aufhält», also wenn der Geist mit dem Körper verschmilzt und sie sich gegenseitig nähren. Bei einem Menschen, selbst wenn er höchst biegsam ist, findet keine Verschmelzung des Körpers mit dem Geist statt, wenn im Verstand und in der Atmung Schwankungen stattfinden. Solch Asana kann nicht als Asana angesehen werden, in dem Sinne, wie klassische Texte es tun, auch wenn viele Leute sich nichtsdestotrotz als große Praktiker ansehen. Es wird später fast unmöglich sein sich mit ihnen zu unterhalten, da sich falsche Stereotypen über Yoga und Praxis geformt haben.

Resultate richtiger und falscher Hatha-Yoga Praxis

Hatha-Yoga ist eine Praxis, welche zur Harmonie von Ha (Sonne) und Tha (Mond) führt, den Energien der Aktivität und des Bewusstseins. Hatha-Yoga beugt die Absorption des «Mond-Nektars» durch die Sonne vor, sie wird «Ulta-Sadhana» genannt und führt zu einem umgekehrten Zustand, in diesem Sinne verfügt sie über ein Element der Überwindung gewisser Prozesse, welche sich zerstörerisch auf das Leben auswirken.

Jedoch ist Hatha-Yoga keine Folterung der Sinne und des Körpers, wie es einige Dilettanten behaupten. Wenn man versucht auf Krampf Asanas zu machen, führt man sein Bewusstsein und seinen Körper nicht zu den Zielen des Hatha-Yoga, sondern eher umgekehrt: Solch eine Praxis führt zur Verschlingung des Amrits (Nektar) durch die Sonne und zum Ausbrennen der energetischen Struktur. Wenn man sich solche «Praktiker» anschaut, so ist ihr Körper in der Regel krank und ihr energetischer Zustand erinnert an ein Wrack. Ihr «Yoga auf Krampf» führt nicht zur Reinigung der Nadis (energetische Kanäle), die Atmung irrt ab, zudem braucht man mehr Nahrung, es taucht Rajas auf oder sogar umgekehrt – Trägheit.  

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Für gewöhnlich reagieren diese Leute impulsiv auf alles und die Ereignisse in ihrem Leben brennen sie aus, sie sind nicht in der Lage in einem besinnenden Zustand zu verbleiben. All das ist weit entfernt von echtem Yoga. Es versteht sich von selbst, dass ein wenig Anstrengung notwendig ist, jedoch keine Folter des physischen Systems, wie man es von manchen kennt, die einen solchen Ansatz «Yoga mit Mühe», «Vira-Sadhana» usw. nennen. Anstrengung ist nicht gleich Gewalt.

Yoga ist nicht nur physisch. Wie biegsam ein Mensch auch immer sein mag, auch er hat seine Grenzen. Einige aber führen es bis ins Absurde, und anstatt dass sie auf ihren Zustand hören, jagen sie Resultaten hinterher und erzielen dabei den umgekehrten Effekt. Wenn sie denken, dass Gorakshanath und die Nathas solch Yoga erschufen, so ist das ein großer Irrtum.

Ein reines Bewusstsein führt zur richtigen Führung des physischen Systems, und nicht der sinnliche Geist oder Wahnsinn. Schaut euch in Indien die Nathas und ihre Gurus an, niemand foltert seinen Körper mit Asanas derart, wie es in Gymnastik- und «Fitness»-Schulen getan wird, dies ist eine Jagd nach physischen Resultaten. Hatha- und Raja-Yoga sind ein Ganzes, deshalb sollte die Praxis des einen auch zur Entfaltung des anderen führen. 

Das Prana sollte bei der Hatha-Yoga Praxis zu einem ausgeglichenen, feinen Zustand führen und nicht zu einem erregten. Das Prana ist nämlich verbunden mit dem Zustand des Bewusstseins und umgekehrt. Hatha-Yoga führt zu Nada-Anusandhana, und die Nadis stehen auch in Verbindung mit der Klangvibration, in den Veden wird «Nada» oder «Dhvani» mit Soma bzw. dem Mondnektar assoziiert. Bei richtiger Hatha-Yoga Praxis werden die Pranaströme gleichmäßig in den Nadis verteilt und sie werden rein, und erst danach kann die Kundalini-Shakti erweckt werden. Shakti vereinigt sich mit Shiva, es wird Samarasattva im Körper erlangt und der Yogi wird zum Jivan-Mukti. Echtes Yoga führt zum Absteigen der Urdhva-Kundalini (Anugraha-Shakti) durch das Öffnen für den Shaktipat, was zur Erweckung der Adho-Kundalini führt und ihren Aufstieg nach oben verursacht. Hierfür muss man den Körper mit Asanas vorbereiten, sie in einem ruhigen Geisteszustand praktizieren, dann richtet sich die Kraft im Körper auf. In einem solchen Zustand, welcher als Folge richtiger Asana-Praxis auftritt, kann der Yogi Pranayama richtig verstehen.

In einem anderen Teil des Textes «Hatha-Yoga Pradipika» wird auch erwähnt, dass der Yogi, welcher auf sich als Atman meditiert und die Siddhasana praktiziert, nach zwölf Jahren zu einem Siddha wird. Nach der Meisterung der Siddhasana erfolgen die «drei Bandhas» von selbst. Die Praxis der drei Bandhas bedeutet die Sublimation der Lebensenergie im Körper, sowohl durch die 16 Adharas (Stützen für das Bewusstsein während der Praxis von Bandhas und Mudras), als auch durch die Umleitung der Energie von äußeren Objekten auf innere, woraufhin die Öffnung der Chakras und die Erweckung der Kundalini-Shakti erfolgen. Die «Hatha-Yoga Pradipika» und andere Texte empfehlen die Siddhasana gemeinsam mit Bandhas, Mudras und Drishtis zu praktizieren, deshalb sind die Adharas dabei auch miteinbezogen.

Den Texten zufolge gibt es so viele «Yonis» (Arten der Geburt) wie es Asanas gibt. In die Asana geht der Yogi wie in eine Form der Geburt, der Mensch wird geboren – «Srishti», verweilt im Körper – «Sthiti», und stirbt, er verlässt den Körper – «Samhara» (er verlässt die Asana). Aus einer bestimmten Sichtweise heraus wird der Mensch in verschiedenen körperlichen und sozialen Ständen geboren, geht durch verschiedene Entwicklungsetappen, bis zu dem Moment, an dem er ein Siddha wird.

Dafür können viele Leben vergehen, er kann als Pflanze, Tier, Mensch, welcher verschiedenen Kasten angehört, geboren werden, er wird von einem Objekt zum anderen rennen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem er sein Zentrum findet, die Siddha-Svarupa bzw. Atman. Ein Siddha ist nicht bloß der Atman oder Purusha, für gewöhnlich sprechen die Nathas vom Purusha-Siddha oder dem vollkommenen Wesen, das was dem Terminus «Natha» gleichkommt.

Ein Natha und Siddha ist Shiva in Yamala (Bund) mit all seinen Erscheinungen, d.h. er verbleibt in höherem Bewusstsein, und da es für Shiva keinen Unterschied zwischen außen und innen gibt, so gibt es auch keinen Unterschied zwischen dem Bewusstsein von etwas oder jemandem und sich selber. Er verbleibt in der Selbsterkenntnis. Die Selbsterkenntnis ist die Basis von Yoga, alle Praktiken zielen darauf ab. Ohne Selbsterkenntnis kann es überhaupt keine spirituelle Praxis geben. Der Mensch kann in verschiedenen Methoden und «-ismen» waten, von denen es unendlich viele gibt, doch wenn die Praktiken nicht zu einem Zustand psychischen Gleichgewichts führen, so sind sie alle sinnlos.

Dementsprechend ist Yoga ein System, welches die Ruhelosigkeit des Geistes hinwegfegt, den Verlust der Lebenskraft. Yoga führt zu einem ruhigen Bewusstsein, zur Kontrolle und Transformation grober Energie, sie macht das Bewusstsein des Praktikers rein und der Yogi erhält die richtige Sichtweise auf die Welt. Wenn er eine klare Sicht erhält, so entledigt er sich von der Unwissenheit, und folglich auch von den durch Unwissenheit geborenen Anhaftungen, Wollust und den von ihnen herbeigeführten Leiden. Dahin führt echtes Yoga, unabhängig davon, was man praktiziert – Asana, Pranayama, Tantra, usw. und nur eine solche Praxis kann sich yogisch nennen.

Der Zustand während der Praxis

Eine richtige Asana ist die, von der Patanjali sprach:

SthirasukhamAsanam (2. 46 YS)

Oder über die Gorakshanath sprach:

Asynamiti svasvarUpe samAnnatA svastikAsanaM padmAsanaM siddhAsanameteshAM madhye yatheshtamekaM vidhAya svAdhAnena sthAtavyam ityAsanalakshaNam. || 2.34 || (SSP)

Übersetzung der Yoga-Sutra:

Asana ist eine stabile Haltung im „Sukha“-Zustand.

«Sukha» kann in der Übersetzung folgendes bedeuten: Wonne, Leichtigkeit, Vergnügen, Freude, Genuß, Gemütlichkeit; das, was «dukha» (Leid) gegenübersteht.

Patanjali sagt beispielsweise nicht die Leichtigkeit «laghima», sondern eben «sukha», was mehr Bedeutungen hat. Also, vergleichen wir das mal mit der Übersetzung des «Siddha-Siddhanta-Paddhati»-Textes bezüglich der Bedeutung der Asana:

2.34. Asana ist das Verbleiben in der eigenen wahrhaftigen Form (Svarupa). Dafür wählt man nach Belieben eine der folgenden Posen: Svastikasana, Padmasana, Siddhasana und verweilt in ihr in vollem Bewusstsein. Dies sind die Merkmale der Asana.

Und, was kann man hier sehen? «Svarupa» und «Sukha». Gibt es hier Gemeinsamkeiten? Oder ist das einfach nur ein einfaches Ausruhen nach dem Training wie es einige behaupten? Und das soll ihrer Meinung nach dann die «Svarupa» sein? Für einen echten Natha-Yogi ist die «Svarupa» die «Siddha-Svarupa». Schauen wir mal, was die «Hatha-Yoga Pradipika» hierzu zu sagen hat:

yameshviva mitAhAramAhimsAM niyameshviva | mUkhyaM sarvAsaneshvekaM siddhasanaM viduH || 1.34

Übersetzung:

So wie unter den Yamas Mitahara (sattvische Ernährung) als wichtigste gilt, und Ahimsa (Gewaltlosigkeit) unter den Niyamas, so gilt die Siddhasana, welche den Siddhas bekannt ist, als die wichtigste Asana.

Die Beziehung konkreter Asanas mit dem Göttlichen in der Natha-Tradition

Ein beliebiges Praxissystem, sei es Mantra-Yoga, Kriya-Yoga, Tantra-Yoga, Dhyana-Yoga, Hatha-Yoga usw. hat in sich schon ähnliche Prinzipien bezüglich des persönlichen spirituellen Wachstums.

Jedes Praxissystem stellt etwas Vollkommenes dar, welches alle Elemente der Sadhana zusammenheftet, und diese Elemente können abhängig von diesem oder jenem Lehrer die Plätze tauschen.

Mein Guruji gab zu diesem Thema mal ein interessantes Beispiel: Wenn wir irgendwo hin gehen, so nehmen wir Gepäck (Koffer) mit uns, und wir brauchen auf dem Weg eine bestimmte Auswahl an Sachen, welche wir in diesen Koffer packen. Man kann sie so in den Koffer legen wie man will, nach eigenem Ermessen, Hauptsache ist, man vergisst nichts, was man wirklich braucht. So kann man z.B. ein Bündel Geldscheine mitnehmen, jedoch seinen Pass vergessen usw. Kurz gesagt, es gibt eine Auswahl an Sachen, welche in Wechselbeziehung stehen und alle zusammen erlauben sie es einem das zu realisieren, was man möchte.

Dem einen sind vielleicht Pass und Geld genug, ein anderer braucht aber vielleicht noch ein Flugticket, Visum usw. In Indien bedeutet «Sadhana» ein Mittel, mit welchem man dieses oder jenes Ziel «Sadhya» erreichen kann. Und was sind nun die 84 Siddhas und die mit ihnen verknüpften Asanas? Erstens, ist das nicht einfach nur von irgendjemandem erfunden worden. Zweitens, das ist etwas mit vieldeutigem Symbolismus, welcher ein tiefes Verständnis voraussetzt, um diesen nützlich für eine Realisierung in der eigenen persönlichen Praxis zu machen. Es gibt z.B. Gebete für die Nava-Nathas oder die Chaurasi-Siddhas, welche die Natha-Yogis in ihrer Verehrung verwenden können.

Lasst uns mal diese Gebete etwas näher betrachten. Es ist eine aufeinanderfolgende Aufzählung von vollkommenen Wesen, der Tradition Gorakshanaths zufolge. Das ist in erster Linie ein Gebet, welches eine eigene Struktur hat, und wenn wir die Namen der Heiligen alle aufgezählt haben, so bekommen wir am Ende ein Resultat, welches absolut spontan herbeitritt. Doch wird das eher als Mantra-Yoga oder Puja gesehen, weniger als Methode des Hatha-Yoga, zumindest sieht das die Mehrzahl der heutigen Hatha-Yoga-Praktiker so.

Also, wo ist hier die Verbindung zum Hatha-Yoga? Gibt es überhaupt eine? Sie existiert auf der Ebene des Prinzips, welches in der Systematik der Methode zur Erlangung eines bestimmten Resultats besteht.

Ein ganz einfaches Beispiel: Ich habe versteifte Muskeln und kann mich nicht in Padmasana setzen, oder wenn, dann bin ich nicht in der Lage lange und natürlich in der Asana zu verharren, um in dieser Position lange Dhyana auszuüben. Wird es dann zur Erlangung der vollkommenen Padmasana oder Svastikasana genügen, z.B. einzig und allein Sarvangasana zu praktizieren? Ich denke nicht. Ich brauche einen Satz von Asanas, und nicht einfach irgendeinen «Satz», sondern einen vollkommenen, bei dem – erstens – alle Asanas sich gegenseitig ergänzen, und – zweitens – sich nicht nur ergänzen, sondern auch so, dass sie eben genau zu mir selbst passen (demjenigen selbst, der am Ende als Resultat dieses Satzes von Asanas vollkommen wird).

Folglich orientieren sich diese Sätze von Übungen auf den Zustand, der für mich persönlich am vollkommensten ist. Und dies wird eben jene Praxis sein, bei der alle Elemente auf psychophysischer Ebene voneinander abhängen. Im Grunde liegt der Kern der 84 Asanas nicht darin, dass es 84 oder 32 sind, 15 oder 8 sind. Das Wesen liegt darin, dass sie «vollkommen» sind, d.h. kein Bau von Sätzen für alle Menschen, sondern eher ein vollkommener Bau, welcher genau zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Wenn man diese oder jene Asanas für seinen Körper oder für die Seele, welche vom Körper abhängt, praktiziert, so werden bei richtiger Praxis alle Teile des Körpers gleichmäßig geglättet, die ganze energetische Struktur ist miteinbezogen.

Wenn man etwas für seinen Körper, oder der vom Körper abhängigen Seele diese oder jene Asanas macht, so werden bei richtiger Praxis alle Körperteile gleichmäßig aufgearbeitet, die komplette energetische Struktur miteinbegriffen. Man kann bemerken, dass diese oder jene indischen Devatas einen individuellen Charakter und verschiedene Erscheinungen haben, unterschiedliche Tätigkeiten ausüben. Doch wenn man sich die neun Navanathas anschaut, oder die 84 Siddhas, so sieht man keine vielköpfigen Brahmas mit tierischen Körperteilen, sie erscheinen nicht zornig, gutartig, erotisch, usw. Das Bild aller 84 Siddhas entspricht in der Regel einem gemeinsamen Archetypen, z.B. dem Gorakshanaths.

Dieses Prinzip spiegelt sich auch in der Asanapraxis wieder: Jede Asana erschafft ein Bild, bei dem jeder Strich, jedes Mosaik eine Panorama erschafft, welche bei ganzheitlicher Betrachtung schön erscheinen mag. Und diese Schönheit verfügt über eine eigene Gewandtheit, einer unbeschreiblichen Transzendenz und Einfluss.

Asanas sind das, was einen vollkommenen Körper und ein vollkommenes Bewusstsein schaffen. Asanas formieren ein solches psychophysisches Milieu, welches in seinem Umfang einen jeglichen eingebundenen Aspekt erblühen lässt und alle anderen in sich wiederspiegelt. In der Asanapraxis sind zwei Dinge von Bedeutung: Die Fähigkeit qualitativ seine eigene Verfassung im Ganzen und in den Einzelteilen zu beachten, und zweitens, die Orientierung auf allgemeine traditionelle Prinzipien, welche auf archetypische Weise in den Texten großer Meister beschrieben werden. Dann kann man eine Asana so realisieren, wie es Gorakshanath lehrte:

Asanamiti svasvarUpe samAsannatA svastikAsanaM padmasanaM siddhAsanameteShAM madhye yatheShTamekaM vidhAya sAvadhAnena sthAtavyam | ityAsanalakshaNam || 2. 34 ||

Asana ist das Verweilen in der eigenen, wahrhaftigen Form (Svarupa). Hierfür gilt es nach Wunsch eine der folgenden Posen auszuwählen: Svastikasana, Padmasana, Siddhasana – und in dieser mit voller Aufmerksamkeit zu verweilen. Dies sind die Merkmale der Asana.

Oder Rishi Patanjali:

sthirasukhamAsanam | || 2. 46 ||

Asana ist die stabile [Pose] in einem Zustand der Glückseligkeit (als Resultat vollkommener Realisierung)

Die Beziehung der Asanas zum sozialen Leben

Es ist absolut logisch, dass die Asanas auch mit sozialen Erscheinungen, welche einen umgeben, wechselwirken und in Beziehung mit und zu ihnen stehen. Übrigens passieren viele Verletzungen in Fitnesszentren nicht nur aus Gründen des Schwierigkeitsgrades der Übung, sondern auch aufgrund eines unruhigen Gemüts. Der Trainer ist nur ein Trainer, er kann zwar eine Gruppe führen, wenn aber jemand in einem zerzausten Zustand zur Übung kommt, so kann er dies nicht bemerken, und auch wie die Übungen dann ausgeführt werden kann übersehen werden, wenn der Schüler in seinem Eifer zu weit geht.

Deshalb sollte der Lehrer die physischen Aspekte auch selber spüren, ebenso das allgemeine Befinden der Menschen, und da kommt es auf die Erfahrung des Unterrichtens, wie auch auf die eigene Erfahrung an, zum Teil sind diese untrennbar. Der Eifer nach Biegsamkeit führt leider oft zu ziemlich kläglichen Resultaten. Wenn sie sich auf natürliche Weise entwickelt so ist es normal, wenn aber der Körper zittert und die Atmung stockend ist, so ist dies schon keine Asana-Praxis mehr.

Es ist besser schrittweise und konstant zu praktizieren als ruckartig und sich danach «auszuruhen». Das lehre ich diejenigen, die Hatha-Yoga lehren und praktizieren. Da soziale Erscheinungen sich auf den Zustand unseres Körpers auswirken, unabhängig davon ob wir uns in der Hanumanasana befinden oder nicht, so sollte man allen Gesetzen der Logik zufolge die Asanas so praktizieren, dass sie auch unser Bewusstsein verändern. Konkret ist damit das Beobachten des harmonischen Verteilens der Energie und eine ruhige, gleichmäßige Atmung gemeint.

Der ruhige Zustand, den man als Resultat der Yoga-Praxis erhält, macht den Menschen auch in der Gesellschaft bewusst und lehrt ihn nüchtern auf auftretende Ereignisse zu schauen. Deshalb ist die Asana-Praxis mit dem Lauf der Dinge im Leben in Wechselwirkung, und genauso ist es auch umgekehrt. In Abhängigkeit von der Lebenssituation kann man bemerken wie man selbst Yoga praktiziert, selbstverständlich hängt davon auch die Qualität ab. Das Yoga der Nathas lehrt den Weg des «Jivan-Mukti», deshalb spielt die Wechselbeziehung mit der Welt eine große Rolle in jeglicher Praxis, Asanas miteingeschlossen. Auch wenn das so manch einem merkwürdig erscheinen kann, so ist es dennoch ein Fakt, dass z.B. die Asana- und Pranayama-Praxis einem dabei helfen die Yamas richtig und tiefsinnig zu verstehen.

Die Anzahl der Asanas

Hatha-Yoga kommt aus dem Tantra, dies ist mehr als offensichtlich, und was im Tantra als Asana, Mudra, usw. verstanden wird, ist für «moderne Yogis» oftmals «bloße, graue Theorie» und unnütze Sophistik. Im Tirumandiram finden wir etwa acht Asanas, in der Hatha-Yoga-Pradipika 16, danach 32, heute in späteren Texten gibt es eine unzählige Anzahl, selbst dann, wenn man die dynamischen Techniken namens «Vyayamas» ausschließt. Yogi Bajan z.B. konnte jeden Tag eine neue Kriya erstellen. Und wie viele Bücher gibt es, in denen Varianten aufgezählt werden um mit bestimmten Asanakombinationen Krankheiten zu heilen, wobei der Asana einzig ein angewandter Sinn zugeordnet wird, und sicherlich nicht der, welchen Patanjali oder Gorakshanath im Sinn hatten. Ich sehe keinen Sinn darin, irgendeine Richtigkeit oder Falschheit in diesen oder jenen erdachten Stilen zu finden, oder darüber zu sprechen, dass wir als Vertreter von traditionellem Yoga «Vinyasa» oder «Aiyengar-Yoga» verneinen sollten. Man sollte einfach wissen, dass Yoga sich nicht auf diese beschränkt. Alles was vernünftig ist sollte man verwenden, ohne dabei zu einem verschlossenen Fanatiker zu werden.

Abfolgen und Stile der Ausführung von Hatha-Yoga-Asanas

Da es eine gewaltige Anzahl an Yoga-Stilen gibt (Ashtanga-Vinyasa, Aiyengar-Yoga, Shivananda-Yoga, Bikram-Yoga, Satyananda-Yoga, Yoga von Yogi Bajan), ebenso wie westliche Lehrer und ihre Stile (solche wie Kali Ray, Shandor Remete, Jivanmukti-Yoga, Andrey Lappas «Universal Yoga», Andrey Siderskiys «Yoga 23» usw.), so stellt sich unmittelbar die Frage, was zu tun ist, wo beginnt man? Man ist alleine und Yoga-Stile gibt es viele. Und obwohl es bei den aufgelisteten Gurus und Meistern eigene Abfolgen gibt, wird man in klassischen indischen Texten keine strengen Abfolgen von Asanas und Pranayamas finden.

Selbst in den Texten in denen sie vorkommen wird erwähnt was diese Asanas repräsentieren, doch in denselben Texten werden sie in der Regel ohne Ordnung aufgelistet, und allgemein werden nur Erläuterungen der günstigen Effekte und die Ausführungstechniken beschrieben.

Das ist keine Rüge an die ganzen Stile und ihre Lehrer, welche ich oben aufgezählt habe (und ebenso welche ich nicht aufgezählt habe) und auch nicht an die autoritativen Texte. Jedoch lohnt es sich zu unterscheiden in den Konzepten der Tradition (ihren Ziele und Methoden), den Stilen und ihren Herangehensweisen, und wie man das alles für sich selbst nützlich machen kann.

Ich habe selbst mit vielen Stilen über 20 Jahre lang experimentiert, zehn von diesen habe ich unter der Leitung indischer Lehrer praktiziert. Ich habe Englisch, Hindi und Sanskrit studiert um in der Lage zu sein klassische Texte zu lesen und zu übersetzen, auch solche, welche außerhalb Indiens nur wenig bekannt sind und selbst solche welche innerhalb Indiens nicht so bekannt sind, denn Indien ist riesig. In den letzten Jahren habe ich mich auch oft mit westlichen Meistern unterhalten.

Zu welchem Schluss bin ich letztendlich gekommen? Ich bin dazu gekommen, dass Methoden des Yoga in Einklang gebracht werden müssen mit den Zielen von Yoga, und diese Ziele können dem menschlichen Wesen nicht fremd sein. Viel eher ist es so, dass sie den Menschen zurück in seinen vollkommenen Zustand bringen sollen, welcher ihm von Natur aus von Gott gegeben ist. Es wäre richtiger zu sagen, dass man verschiedene Vikaras (Verzerrungen) im Körper und im Bewusstsein des Menschen beseitigt, und so den vollkommenen Zustand erweckt, welcher sich niemals von uns entfernen kann.

Zudem sei gesagt, dass wir von Anbeginn an vollkommene Wesen sind, uns ist von Natur aus schon viel gegeben. Doch aufgrund von unvollkommenen Handlungen und einer oberflächlichen Lebensweise (indem wir tief in unserem Wesen diese Wahl treffen) verkürzen wir uns das Leben und führen unseren Körper und die Psyche in einen Zustand des Verfalls. Dies passiert vor allem in einem künstlichen (unnatürlichen) Leben, deshalb sprechen alle Texte vom Befolgen des Willens „Sahaja“ (das Natürliche, Wesentliche), sei es ein innerliches Ideal, welches wir befolgen oder ein äußerer Guru, Siddha oder Gottheit(en).

Die meisten Menschen haben ihre Körper schon in so einen Zustand gebracht, dass sie nicht mehr in der Lage sind mittels einer Upaya (Methode/Kniff) sich in ihren ursprünglichen, vollkommenen Zustand zu versetzen, diesen auf allen Ebenen seines Wesen zu realisieren, deshalb erfolgt in der Regel alles schrittweise.

Die Abfolge ist ein Algorithmus, es ist immer eine Struktur, Krama, Matrix, Vinyasa usw., man kann es beliebig nennen und übersetzen. Für viele Praktiker jedoch sind die verschiedenen Hatha-Yoga-Stile offensichtlich ein Satz von Techniken, welche in einen Komplex gepackt wurden, oder es ist ein Komplex, welcher wiederum aus Komplexen besteht, und das soll dann unbedingt zu einem bestimmtem Ziel führen. Wir sind alle verschieden, haben verschiedene Vorzüge und Probleme, deshalb sollte es für verschiedene Leute auch einen unterschiedlichen Ansatz geben.

Unter den Bedingungen der indischen klassischen (echten) Schulen ist so etwas noch absolut möglich, denn da wohnt der Schüler neben dem Guru und der Guru korrigiert nicht nur die technische Yoga-Ausführung, sondern auch das Leben des Schülers. Ich habe nicht umsonst das Wort «echten» zum Verständnis der klassischen Schulen hinzugefügt, denn heutzutage kann man unter dem Terminus «klassisch» praktisch alles Mögliche verstehen. Alle möchten sich «klassisch» nennen, doch wenn man tiefer blickt, so kann die reale indische Variante lange nicht bei allen realisiert werden.

Dies zeugt von einem unrichtigen System. Das Wichtigste ist es zu verstehen, was woraus entsteht: Wenn die Adaptation der traditionellen Lehre unter verschiedene Bedingungen gestellt wird, so ist es das Eine; wenn jedoch lediglich den eigenen Gedanken gefolgt wird und autoritative Lehren ignoriert werden, so ist das etwas anderes.

Genau deshalb lehre ich meine Schüler das Verständnis der Tradition, da westliche Menschen in der Lage sind ein intellektuelles Produkt zu schätzen, so gibt es im Westen z.B. eine große Nachfrage nach Systemen wie dem Kaschmir’schen Shivaismus, Buddhismus, uw. Ebenso bevorzugen es westliche Menschen in der Regel selbstständig zu sein. Es wird ihnen kaum recht sein zwölf Jahre lang neben dem Guru zu leben und ihm bedingungslos zu folgen. Selbst wenn dies in der Praxis auch mal vorkommen kann, so sind solche Schüler dennoch ziemlich seltene Einzelfälle.

Und nur Wenige bevorzugen es nur einem Yoga-Stil zu folgen, für gewöhnlich werde diese «ausprobiert», und dann geschaut wie sich diese auswirken, wenn es die Erfahrung nicht zulässt, dass man selbst eine Praxis aufbaut (die ersteren sind immer in der Mehrzahl).

Diesen Faktoren und der eigenen Erfahrung zufolge, bin ich zu folgendem Entschluss gekommen, welcher sich mir überraschenderweise auch in den traditionellen Natha-Texten und in vielzähligen Tantras offenbart hat. Und zwar ist eine passive Systemhaftigkeit auf der ersten Stufe der Praxis erforderlich, auf der höheren Stufe wird diese selbst spontan die Praxis formen, während man sich bei der zweiten Variante auf sein eigen Erarbeitetes orientiert, wie auch auf die Erkenntnisse aus dem Bereich autoritativer Quellen. 

25-Asana-System (Material von nathi.ru)

«Als einleitende Praxis hat Guru Matsyendranath Maharaj für seine Schüler einen Komplex aus 25 Asanas erstellt. Dieser beginnt mit meditativen Asanas und endet auch mit solchen, dazwischen gibt es Asanas verschiedener Schwierigkeitsgrade. In den Asanas arbeitet man mit dem Atem, der ganze Komplex, der ganze Satz wird in einem ruhigen Gemüt ausgeführt mit ruhiger und gleichmäßiger Bauchatmung. Dazu kann man das Mantra So’ham miteinbeziehen.»

Solch eine Kombination reinigt bei regelmäßiger Ausführung die Kanäle, was sich im Weiteren auf die Qualität der Meditation auswirkt. Dieser Satz basiert auf die Wechselwirkung der Asanas und Tattvas und ist nach der Panchaka-Theorie aufgebaut, welche es nicht nur bei den Nathas gibt, sondern auch in vielen anderen hinduistischen Systemen. Das Prinzip des Aufbaus des 25-Asana-Systems kann man in Kürze wie folgt beschreiben:

Den Texten zufolge gibt es genauso viele Asanas wie es Lebewesen gibt. Jede Jiva (individuelle Seele ist mit der Urquelle, dem Paramatma, verbunden, unbewusst wiederholt sie auf der Ebene des Atmens das Mantra „So’ham“ („Ich bin Er“ – das Absolute, Brahman).

Zudem hat jedes Lebewesen einen Körper, welcher aus fünf Elementen besteht (Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther). Diese fünf Elemente erschaffen die Sinnes-, Wahrnehmungs-, Tätigkeitsorgane, usw. und diese wiederum sind mit den Kanälen verknüpft (Nadi). Jedoch sind all diese Elemente (Tattvas) in Wirklichkeit die spirituelle Kraft Brahmans, seine Shakti. Deshalb kann man mit dem Atem Brahmans „So’ham“ und mit dem Sich-Bewusstwerden des Brahmans in allen Formen seinen ursprünglichen Zustand erlangen – Samarasattva.

Wenn der Atem, die physische Form, das Bewusstsein und das Mantra ein Ganzes werden, dann erfährt man die vollkommene Ganzheit seines Wesens und der Essenz Gottes.

Jedoch ist dieser Satz an Asanas nur der Ausgangspunkt. Auf weiteren, höheren Stufen der Praxis kann der Schüler eigenmächtig Asanas verwenden, die Grundprinzipien dahinter verstehend, und Kumbhakas, Bandhas und Mudras hinzufügen.

System aus 25 Asanas

Statik und Dynamik in der Praxis

Was dynamische Praktiken wie Sukshma-Vyayama angeht, so haben auch diese ihren Wert, denn sie sind auf die Entwicklung des Körpers ausgerichtet, auf die Auflösung von Blockaden und Steifheit der Muskeln, ebenso machen Vyayamas den Bewegungsapparat mobil.

Sukshma-Vyayama wird auch «Vikasaka» genannt: Entwicklung, insbesondere von «Sthula» und «Sukshma», dem grob- und feinstofflichen Körper. Bevor man beginnt die Energie zu kontrollieren, indem man Ordnung durch Ausgeglichenheit schafft, ist es notwendig überhaupt erst über solche Energie zu verfügen, und für dieses «Bereitstellen der Energie» ist Vikasaka da.

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Was Asanas betrifft, so verlagert sich der energetische Prozess von der Entwicklung zur Sammlung der Energie auf einer qualitativ höheren Ebene. In der Dynamik braucht man den Geist nicht, in der Asana schon, weil man im statischen Zustand besser in der Lage ist zu beobachten und die Bewegung von Pranaflüssen zu verfolgen. In verschiedenen Asanas verteilen sie sich über den ganzen Körper und der ganze Körper wird wie zu einem Kristall, fest, aber nicht eingeengt, sondern frei. Die Nadis im Körper ähneln gespannten Saiten eines Musikinstruments. Es ist wie mit einem Schlauch, bei dem im gleichmäßigen Fluss das Wasser läuft, dann wird es schwer ihn zu biegen, und genauso ist es auch mit dem Prana in den Nadis.

Wenn der Körper, das Prana und der Geist in der Asana einen ausgeglichenen Zustand erreichen, dann werden alle unbrauchbaren Gedanken, welche das natürliche Fließen des Pranas blockieren könnten, auf natürliche Weise beseitigt. Der Körper und der Geist werden einem Spiegel gleich, daher kommen solche Phänomene des Ablesens in Form von Telepathie, Hellsichtigkeit usw. Natürlich erscheinen diese Fähigkeiten für den Yogi nur dann als wertvoll, wenn sie auf die spirituelle Entwicklung gerichtet sind, wenn sie jedoch für materialistische, egoistische Zwecke verwendet werden, so wird die spirituelle Praxis behindert und man verliert alle seine Fähigkeiten.

Deshalb wird das Wort «Siddha» im Yoga in Bezug auf «Akalpita-Siddhi» verwendet, der spirituellen Vollkommenheit, der Befreiung von tiefen Irrtümern, und nicht in Bezug auf klein-okkulte Vorzüge, welche manche Leute entwickeln, die Magie oder Übersinnliches praktizieren.

So gesehen gehören Asanas zu einer überaus wichtigen Praxis, welche zu Beständigkeit und zur Befreiung von allem Schweren im Körper, Prana und Geist führen, und in der Folge kommt „Sukha“ auf. Denn da wo es Licht gibt, kann es keine Dunkelheit geben und umgekehrt. Wenn man einen höheren Geschmack erfährt, so wird automatisch das Streben zu Höherem auftreten, deshalb treiben die Zustände in der Asana einen dazu an zu mehr Vollkommenheit zu streben. Viele können in der Padmasana, Svastikasana oder Sukhasana sitzen, und wenn das bei euch klappt, so kann man in diesen Asanas, dem Maß der Fähigkeiten nach, diese oder jene inneren Praktiken praktizieren, welche in der Regel der Guru lehrt.

Doch das bedeutet nicht, dass man die Asanas nun nicht mehr braucht, Asanas geben die nötige Reinheit im Körper und jenen pranischen Zustand, welcher zu einer besseren Qualität innerer Praxis führt. Solche eine Asana gilt als richtig und zweckgemäß.

Asana und Pranayama sind keine Stufen wie es viele denken, ansonsten würde man sie mit einem anderen Terminus bezeichnen, z.B. «Krama», was so viel wie Stufe bedeutet. Jedoch werden sie eben «Anga» genannt – Teil. Und was ist unter einem Teil zu verstehen?

Ein Teil ist etwas, was in Verbindung mit etwas anderem steht, z.B. ist der Arm verbunden mit dem Rumpf. Doch viele praktizieren Asanas eben als Krama, und hetzen nach Resultaten, während sie dabei die wichtigsten Ziele des Yoga vergessen. So ist es nicht verwunderlich, dass manche Jnanis Yoga als Quälerei bezeichnen wenn sie so etwas sehen, doch in Wirklichkeit besteht da kein Zusammenhang. Zudem wage ich es sogar zu behaupten, dass solche Praxis als das komplette Gegenteil von Yoga angesehen werden können, da Asanas nicht die niedrigste Stufe ist wie es manche Theoretiker oder falsche «Praktiker» behaupten. Asana ist sowohl Mittel, als auch Ziel des Yoga in den höheren Stadien der Meisterung. Das Gleiche kann man auch über Pranayama, Yama, Niyama, Samadhi usw. sagen.

Die Frage nach der Verletzungsgefahr beim Ausführen von Asanas

Fragen, welche die Kontraindikation bei der Ausführung von Asanas und anderen yogischen Techniken betreffen, sollten gesondert behandelt werden.

Ohne Frage haben sie einen sinnvollen Nutzen, auch für Leute die mehr auf «Bhoga» aus sind, d.h. die viele Genüsse erleben wollen, deshalb sollten sie verschiedene Probleme vermeiden, die sich auf der Ebene des Körpers auswirken. In Indien wird man wohl kaum Nathas treffen, die viel über ihre Physiologie denken, oder an Verletzungsgefahr, in der überspannten Form wie man sie in vielen Yoga-Schulen Indiens oder des Westens finden kann, die auf einfache Leute orientiert sind. Geschäftsmenschen sind oft voller Ängste ihre vielen Kleinigkeiten zu verlieren, zu denen sie verschiedene Anhaftungen entwickelt haben, auch gilt das für viele Yoga-Lehrer, die für solche Leute unterrichten.

Sadhus haben mehr Fähigkeiten zum Überleben, sie haben ein stärkeres Immunsystem, und viele von ihnen sind auf Tapas (Askese) ausgerichtet. Dagegen spiegeln sich die vielzähligen Ängste der einfachen Menschen in ihrem Energiesystem wieder, deshalb kann diese sehr schnell beschädigt werden bei falscher Ausführung von Yogatechniken, auch bedingt durch andere soziale Faktoren. Diese Menschen haben meist viel Geld, da sie in der Gesellschaft leben, wo alles in Geld gemessen wird, und auch Yogalehrer brauchen Geld, so ist auch dieser ganze Yoga-Ramsch ins Yoga gekommen, in welchen Bhoga dominiert.

Das ist keine Verurteilung dieses Yogas, sondern eher der Versuch den Grund zu erklären, weshalb man in Indien unter den Nathas wohl kaum jemanden findet, des Yoga unterrichtet als etwas Physiologisches und Yoga als Methode zur Behandlung vieler Probleme, welche für Sadhus nur etwas Zweitrangiges darstellen. Und natürlich ist das auch kein Aufruf für einfache Menschen nun komplett Sicherheitsmaßnahmen im vernünftigen Rahmen zu ignorieren, so dass in diesem die primäre, yogische Ausrichtung nicht in den Hintergrund gelangt. Das ist die Hauptsache, damit ein solches „Yoga“ den Menschen nicht in den kompletten Materialismus führt und ihn nicht unbemerkt zu Problemen führt, welche mit Ängsten bezüglich vergänglicher Weltlichkeiten verbunden sind.

Leider versündigen sich daran viele Ausrichtungen modernistischen Yogas, und häufig führt ihr Ansatz dazu, dass die Menschen sich selbst viele Ängste schaffen, und diese Angst materialisiert sich in der Realität dann als verschiedene Probleme. Zudem ist unser Körper nicht einfach nur ein Stück Holz ohne Seele, er sagt uns selbst was für uns unumgänglich ist, welche Asanas und wie lange. Ihr habt bestimmt gemerkt, dass nach der Praxis eine Leichtigkeit im Körper aufkommt, selbst wenn der Zustand danach wieder grob wird, das Gedächtnis bleibt in den Muskeln, in der Atmung, im Bewusstsein usw. und das wird euch dann sagen, wie es weitergeht.

Es gibt noch die weitverbreiteten Theorien zur Physiologie, zu Regeln über Verletzungsgefahr usw., und das kann man natürlich alles auch parallel studieren, jedoch nur in dem Maße, dass es einem nicht das Bewusstsein erschwert. Die Nathas in Indien z.B. haben überhaupt keine Vorstellung von den Regeln zur Praxis wie sie von vielen westlichen Autoren gegeben werden. In keinem einzigen klassischen Text wird man finden, dass «diese Pranayama sich auf den Sympathikus auswirkt, und jene auf den Parasympathikus» usw.

Vorbereitende und «elementare» Asanas

Asanas teilen sich auf in solche, welche man mit gerader Wirbelsäule ausführt (Siddhasana, Padmasana, Shirshasana) und Asanas mit gebeugter, geschlossener, geöffneter, gebogener usw. Stellung. Asanas mit gerader Wirbelsäule balancieren unser Prana und bringen es ins Zentrum, in die Sushumna, sie führen zu einem ausgeglichenen Zustand des Geistes und des Pranas. Die anderen Asanas sind sozusagen «zur Vorbereitung», dementsprechend gibt es vorbereitende und elementare Asanas.

In den elementaren Asanas ist man auf den Zustand aller grundlegenden Asanas ausgerichtet, auf die Meditation, in den anderen Asanas sollte man diesen Zustand aufrechterhalten. Dementsprechend bereiten sie den Geist und den Körper zur vollen Transformation vor, es ist eine gewisse Alchemie, welche den Geist, den Körper und das Prana verwandelt. Diese Praktiken darf man auf keinen Fall geringschätzen. Dasselbe gilt für Pranayama: Alle Arten der Kumbhakas führen zu Kevali. Im Leben ist es genau dasselbe: Alles führt zur Selbsterkenntnis, Erkenntnis des Atmans. Kurz gesagt, die Mitte und die Peripherie gibt es immer und überall. Was wichtiger ist, ist schwer zu sagen, alles ist wichtig. Das wäre in etwa so als würde man fragen: Wem sollte man eher huldigen - Shiva oder Shakti?

Arbeit mit energetischem Empfinden, Mudras und Adharas

Statische Asanas erlauben es uns gut mit dem energetischen Empfinden in den Asanas zu arbeiten, da man den Fluss des Pranas im Körper beobachten kann. Ebenso wirken sich die Asanas auf den Zustand des Bewusstseins aus und dies geschieht auf natürliche Weise. So ist es der Mensch gewohnt zu ruhen oder zu schlafen wenn er liegt, oder wenn er steht zu arbeiten und sonst wie aktiv zu sein. Die Rhythmen des Menschen verlaufen nach ähnlichen Mustern ab, der Mensch wird geboren, er lernt zu laufen, soziale Aktivität, usw., und ebenso gibt es einen täglichen Rhythmus, zunächst liegt man im Bett, der Mensch wacht auf, setzt sich hin, steht auf und beginnt seine tägliche Aktivitäten.

Analog ist es mit der Arbeit in den Asanas, denn eine Asana ist die Stellung einer oder jenen Jiva. Asanas sollten zu einer natürlichen Praxis werden. In unserer Schule teilen sie sich in drei Schwierigkeitsgrade auf, was notwendig für eine schrittweise Entwicklung und Vorbeugung von Verletzungen ist. So werden die Menschen z.B. nicht gleich auf den Kopf gestellt, zunächst sollte man die Arme kräftigen, aus der Viparita-Karana in die Sarvangasana, danach Shirshasana usw. Das gleiche gilt für Pranayama.

Im Anfangsstadium ist das Bewusstsein auf die Veränderungen ausgerichtet, welche während der Asanapraxis vorkommen. Diese Zustände sollten stufenweise kontrolliert werden, deshalb gibt es in unserer Schule auch keine erzwingenden Methoden, denn die Energie, welche transformiert und hochwertiger wird, ist notwendig für die Kundalini-Praxis und Raja-Yoga. Dafür muss sie feiner werden und sich stabilisieren. Dies ist mithilfe statischer Asanas möglich.

Adharas sind bestimmte Punkte der Konzentrierung des Bewusstseins um die Praxis zu verinnerlichen, was Yoga von Gymnastik unterscheidet - im Yoga ist der Geist normalerweise nach innen gerichtet. Deshalb ist es empfehlenswert, sich auf die Punkte entlang der Sushumna zu konzentrieren. Die Punkte entsprechen auch bestimmten Ebenen des Bewusstseins, von denen es 16 gibt, die vier wichtigsten sind Jagrat, Svapna, Sushupti, Turiya, die in 4 weitere unterteilt sind: Jagrat-Jagrat, Jagrat-Svapna usw. Es wird davon ausgegangen, dass unser Bewusstsein ursprünglich mit dem Überbewusstsein von Parasamvit übereinstimmt. Deshalb kann sich eigentlich nur das konzentrieren, was sich selbst erkennen muss, und dieser Prozess geschieht spontan.

Der charakteristische Unterschied zwischen der Natha-Meditation bzw. Dhyana und der von Patanjali ist, dass sie durch die Arbeit mit Shakti erfolgt. Die Kundalini-Erweckung findet dann statt, wenn der notwendige psycho-energetische Zustand vorhanden ist, was ohne Asanas und Pranayama nicht möglich ist. Im Tantra gibt es ähnliche Methoden der Fokussierung auf die Adharas, dort sind sie jedoch in Form von Klangschwingungen vorhanden, und sie werden auch mit Arbeit in den Zuständen von Wachsein, Schlaf, traumlosem Schlaf usw. assoziiert.

Adharas sind eine Reflexion des Lichts des Bewusstseins im feinstofflichen Körper und fungieren auch als Punkte der Umwandlung von Lebensenergie in psychische Energie, deshalb werden Adharas bei der Praxis von Bandhas und Mudras verwendet.

Es ist kein Zufall, dass die Bedeutung des Wortes «Mudra» Kopie oder Abbild ist. Es ist die Reflektion des Prakasha-Lichtes im Sahasrara-Chakra in der manifestierten «Bimba», eigentlich sind Mudras Gesten der Verbindung von spiritueller und vitaler Energie.

Eine andere Bedeutung des Wortes Mudra ist «Freude schenkend», d.h. die Freude, die durch die Verbindung von Immanentem und Transzendentem entsteht. Hatha-Yogische Mudras bilden keine Ausnahme, und deshalb spielen Adharas auch hier eine wichtige Rolle. Adharas ermöglichen die Wahrnehmung von Antar-Lakshyas, Lakshya wiederum die Wahrnehmung von Vyomas und durch Vyomas ist die Erkenntnis des eigenen wahren Selbst möglich, des ewigen Atman, der sich im Zustand von Moksha befindet. Dementsprechend kann man sagen, dass sich das Bewusstsein in der Yogapraxis von der Vielzahl seiner Wahrnehmungsobjekte zu einem einzigen Lakshya bewegt.

Die Praxis der Mudras, beginnend mit Viparita-Karana, Maha-Mudra, Mahabandha, Mahavedha, Nabhi, Khechari und Yoni Mudra beansprucht ebenso Arbeit mit den Adharas.

Was die äußeren Lakshyas betrifft, so handelt es sich dabei um die Konzentration auf verschiedene Tattvas oder das Feuer, den Mond und die Sonne, es können also alle möglichen äußeren Dharana-Objekte sein. Madhyama-Lakshya kann nach Belieben zur Wahrnehmung der Vyomas führen; in einigen Texte wird es überhaupt nicht erwähnt, dementsprechend ist es wohl anscheinend die Zwischenstufe zwischen Lakshyas und Vyomas. Dabei ist es auch wichtig zu wissen, auf welche Art und Weise Vyomas zur vollständigen Offenbarung des Selbst als ewiger Atman führen. Zum Beispiel ist der Raum der Dunkelheit von Parakasha das Gegenstück des transzendentalen Lichts des Atmans, d.h. das Gegenteil offenbart das transzendentale Licht noch weiter. In den höheren Stufen der Kaya-Sadhana wird der Körper selbst erleuchtet, er wird zu einem unendlichen Raum und alle Begrenzungen verschwinden vollständig.

Siddhasana und die Übermittlung des Zustandes in andere Asanas

Gorakshanath nannte Asana den Zustand des Seins in der wahren Form, im Prinzip das Gleiche, was Patanjali sagte, und von allen Asanas ist die Siddha-Stellung die grundlegende. Als Gorakshanath in Nepal die Siddhasana meisterte und in seiner Asana saß, kroch eine Schlange zu ihm hinauf, was Gorakshanath dazu veranlasste, aus der Dhyana auszusteigen. Daraufhin sagte Matsyendranath: «Ändere niemals deine Asana, egal was passiert, deine Asana sollte während deiner gesamten Sadhana beibehalten werden.» Asana ist die Verschmelzung von Körper und Geist zu einer Einheit. Nur ein vollkommener Geist kann mit einem vollkommenen Körper verschmelzen.

Alle Asanas, wie viele es auch sein mögen, lassen sich also in drei Hauptgruppen einteilen: In Shiva-Asana oder Shavasana, Shakti-Asana als Kamalasana bzw. Padmasana und Siddha-Asana. Alle anderen Asanas führen nur zur Erwerbung der Siddha-Asana.

Die Asana ist Adhara für den Körper und der Körper ist Adhara für den Geist, der Geist ist von Shiva nicht getrennt und Shiva ist transzendental, wenn er in Yamala mit seiner Shakti ist. Ein Siddha hingegen ist derjenige, der das Gleichgewicht zwischen allen Dualitäten erreicht hat, er ist der vollkommene Shiva, er ist Eins sowohl mit der nicht-manifestierten transzendenten Shakti als auch mit ihrer Form, welche das gesamte Universum erschafft, der Kundalini Shakti. Der Jivan-Mukta Siddha ist derjenige, der Samarasya, Vollständigkeit (Purnam) in seiner wahren transzendentalen Essenz erlangt hat. Jemand, der in Harmonie mit der ganzen Welt lebt und sich ihrer ebenso vollkommen bewusst ist, befindet sich in der Position eines Siddhas. Wer sich sowohl der Teilwahrheiten und Illusionen als auch der vollständigen Wahrheiten bewusst ist, wer jenseits von allem ist - der hat die Siddhasana erlangt.

Wir sind uns des Transzendenten immer bewusst, nur manchmal mehr, manchmal weniger, genau wie der Welt der Formen. Indem wir mit der Form arbeiten und uns ihrer immer mehr bewusst werden, lenken wir unser Bewusstsein auch in eine tiefere Wahrnehmung der Leere.

Wenn wir also lernen, in Siddhasana zu sitzen und die notwendigen Zustände einzunehmen, können wir sie auf die Praxis anderer Asanas oder Pranayamas übertragen. Das bedeutet mehr Entspannung in der Asana. Bei den Nathas wird es empfohlen, die Objekte der Welt nicht zu vernachlässigen um die Aufmerksamkeit auf den Atman zu richten, sondern den Atman in den Weltobjekten zu kontemplieren und zu erkennen, dass alle Teile eine Kula sind.

In jeder Natha-Sadhana, welche auch immer man wählt, werden die Werkzeuge der Sadhana als Manifestation der Shakti, dem Absoluten, geehrt. Nadi Janeu, Trishula, Bhairava-Danda, Rudraksha, etc. Mit den Asanas verhält es sich genauso, die zweitrangigen Asanas verstärken die meditativen, die meditativen verstärken die zweitrangigen Asanas. Die grundlegenden Yogastellungen und -praktiken beziehen sich auf den Zustand des Gleichgewichts von Lebensenergie und Geist. Das ist die Essenz der Praxis. Yoga lehrt, wie man leer wird, wie man wahrnimmt, und durch diese Fähigkeit kommen die restlichen Siddhis.

Asana-Jaya

Asana-Jaya nennt man den Zustand, wenn man in einer Position ohne Probleme mindestens dreieinhalb Stunden verbleiben kann. Der Raum der Praxis sollte mit einem speziellen Mantra eingestimmt werden. Wenn es draußen in der Natur ist, so wird das «Dharti-Mantra» rezitiert, im geschlossenen Raum die «Asana-Laganeka». Dementsprechend begünstigt allein schon die Atmosphäre des Raums, dass der Yogi eine bequeme Asana in einem ruhigen, angenehmen Gemüt und Körper einnehmen kann.

Obwohl es äußerlich natürlich drei Kategorien von yogischen Asanas gibt: Vishramatmaka Asanas (bezogen auf totale Entspannung), dies sind solche wie Shavasana. Dann gibt es Dhyanatmaka Asanas (kontemplativ), welche für Samyama bestimmt sind, dazu gehören Siddhasana, Svastikasana, Padmasana, etc. Und es gibt Samvardhanatmaka (förderliche) - wie Sarvangasana, Matsyasana, Pashchimottanasana, etc. In all diesen kann man lernen in Pratyahara einzutauchen.

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Dies geschieht jedoch schrittweise, indem man von scheinbar einfachen Asanas zu komplizierten übergeht. Alle Teile des Körpers sollten so entwickelt werden, dass alle Empfindungen im Körper harmonieren und man beginnt, sich so zu fühlen, als ob der Körper gar nicht da wäre, oder zumindest nicht so wie er in einem normalen Zustand wäre. Das ist nur dann möglich, wenn genügend Energie im Körper vorhanden ist.

Wenn nicht genug Energie da ist, so kann die Energie nicht in eine solche Qualität transformiert werden, welche die kontemplativen Techniken ausreichend wirksam macht. Dementsprechend sind sowohl Samvardhanatmaka- als auch Dhyanatmaka-Asanas für die yogischen Methoden der Erweckung der Kundalini-Shakti und des Raja Yoga von Nutzen.

Separate Asanas: Siddhasana, Padmasana

Die Siddhasana, wie sie meine Gurus lehrten, wird in der Hatha-Yoga-Praxis als das Ideal angesehen um die Fähigkeit zu erlangen qualitativ in Dhyana zu verweilen. In der Siddhasana ist es am besten, die Handposition in Bhairava-Mudra zu halten. Ebenso ist die Siddhasana wirksam, wenn die Stufe der Pranayama zur Haut- bzw. Zellatmung übergegangen ist. Wenn Pranayama noch als Prana-Vikasaka verwendet wird, übt man verschiedene Arten von Sahita-Kumbhakas, um verschiedene Pranas im Körper zu entwickeln, durch die man lernt Doshas zu kontrollieren, dann werden Padmasana, Svastikasana, Guptasana, Vajrasana effektiver. In der Padmasana ist es besser, Jnana-Mudra zu verwenden, in der Vajrasana legt man einfach die Handflächen auf die Knie.

Nun ist es allerdings in Siddhasana gar nicht so einfach, den Fuß so zu drehen, dass man mit der Ferse Druck auf den Schritt ausüben kann, es gibt jedoch verschiedene Varianten. Und im Allgemeinen hilft diese Position, Prana in der Sushumna zu konzentrieren, und wenn sich Prana in der Sushumna befindet, ist es dem Shiva-Svarodaya-Tantra zufolge besser, Kontemplation zu praktizieren. Einerseits ist Dhyana ein natürlicher Zustand, aber man braucht Hilfsmittel, um sich ihm zu nähern und sich in ihm zu etablieren. Und dabei ist die Siddhasana nützlich, obwohl es gewissermaßen eine Form der Körpermanipulation ist. Bandhas und Mudras helfen ebenfalls, den Geist ins Gleichgewicht zu bringen und Samyama zu fördern.

Längeres Sitzen in der Padmasana führt von allein zu Pratyahara (d.h. Gleichgewicht von Prana und Geist). Innere Techniken lassen sich am besten erreichen, wenn die Beine in der Padmasana nicht eng zusammengebunden sind, eng verschlossene Beine werden hauptsächlich in Pranayamas zur Nadi-Reinigung verwendet.

Die Samvardhanatmaka-Praxis in Form von «fortgeschrittenen» Asanas ist eine etwas andere Praxis, sie umfasst Asanas wie Baddha-Padmasana. Diese sind so konzipiert, dass sie auf verschiedene Teile des Körpers wirken und das Prana im ganzen Körper verteilen. Wenn genügend Prana im ganzen Körper vorhanden ist, kann man kontemplative Asanas, Pranayama und Mudras, Bandhas darin anwenden.

Wenn man keine Japa in den Asanas praktiziert, so sollte man solch Techniken anwenden, welche die Schwingungen im Geist, Körper und in den Pranas zum Ruhen bringen. In der Japa gibt es die zusätzliche Unterstützung durch das Mantra, welches reinigt, aber in der einfachen kontemplativen Praxis ist die Unterstützung eine andere, so dass man eine gewisse geistige Vorbereitung braucht, und verschiedene Asanas sind in dieser Hinsicht sehr hilfreich. Asanas bewirken das Gleichgewicht der Pranaströme im gesamten Körper, und nur in statischen Asanas kann man dieses Ergebnis erreichen.

Umgedrehte Posen, Viparita-Karani

Es gibt viele verkehrte Posen: Shirshasana, Halasana, Viparita-Karani, usw. In den Texten trifft man Viparita-Karani am häufigsten, überhaupt gibt es in den klassischen Texten nur wenige Asanas, das Maximum sind 32 Asanas in der Gheranda Samhita, im Rudra-Yamala sind es 28 Asanas.

Die umgekehrte Asana ist ihrem Wesen nach eine Einzige, und sie wird nicht zufällig als Mudra bezeichnet. «Mudra» bedeutet übersetzt «Abdruck» oder «Spiegelung» («Pratibimba»). Der Mond reflektiert die Sonne und umgekehrt. Mudra ist die Verschmelzung der beiden Ursprünge, sie bringt Freude, «Mud» - Freude und «Ra» - Gebend.

Viparita-Karani integriert die Sonne und den Mond. Was geschieht bei diesem Prozess? Das Erste, was man sofort bemerkt, ist, dass sich die Atmung verlangsamt. Wenn man steht, so ist die Atmung chaotischer, man kann sie beruhigen, wenn man beginnt mit dem Bauch zu atmen, so ist es z.B. auch wenn wir einschlafen. Dann überwältigen uns keine Vikalpas (Gedankenformationen), denn sie verursachen Anspannung. In Sushupti (Tiefschlaf) lösen sie sich auf.

Die Sonne ist der Bereich des unteren Zentrums, «Mani-Pura» («man» ist der Geist, «pura» ist der Wohnsitz), sobald man den Bauch entspannt und natürlich zu atmen beginnt, werden die Gedanken ruhiger, der Prana-Verlust hört auf. Wenn eine Person emotional und mental unausgeglichen ist, spannt sie sofort die Bauchmuskeln an. Emotionale Anspannung belastet den Körper, sie schadet auch den Nervenzellen. Besonders anfällig dafür sind Menschen, die sich in sozialen Aktivitäten verzetteln, die einen aufgewühlten Geist haben, die ihre Selbstkontrolle verlieren.

Unter dem Mondnektar verstehen die Yogis jenen Geist, welcher zerstört wird durch die chaotische Kraft der Sonne bzw. durch die Welt der phänomenalen Erscheinungen, an die sich der (von der Sonne gefressene) Geist klammert. Es gibt zwei Wege aus einer solchen Situation: Der erste ist die Arbeit mit dem Geist, der zweite die Arbeit mit dem Prana. Es gibt einen Text von Gorakshanatha mit dem Titel Amanaska-Yoga (gedankenloses Yoga), der sowohl Taraka-Yoga (Arbeit mit Prana) als auch Amanaska-Yoga (die Praxis, den Geist still zu halten) beschreibt. Aber es ist im Grunde die gleiche Methode, denn Prana und Geist sind voneinander abhängig.

Wenn man umgekehrtes Viparita-Karani macht, so kann das Blut zum Gehirn fließen, was eine gute Entspannung für den Geist und die Magengegend gibt. Man gelangt in einen Zustand hochwertiger psycho-physischer Entspannung, weshalb Yogis sagen, dass diese Praxis verjüngt und das Leben verlängert. Natürlich ist es keine Kaya-Kalpa-Sadhana, bei der man eine totale Körper-Seele-Verjüngung durchführt, aber dennoch hat die Viparita-Karani eine große Wirkung und ist natürlich auch maximal nützlich, wenn man es wirklich von einem echten Yogi-Guru lernt.

Hier gibt es noch etwas hinzuzufügen. Ich selbst und viele meiner Schüler können Shirshasana recht gut und leicht ausführen. Aber ich würde empfehlen, es nicht sofort zu tun, man sollte mit Viparita-Karani beginnen, danach sollte man zu Sarvangasana gehen. Man muss zuerst die verschiedenen Muskeln stärken, vor allem die Arme, denn wenn man nicht genug Kraft hat, kann man sich die Wirbelsäule verletzen, was viele Yogis schon getan haben, wenn sich z.B. der zweite Halswirbel verschiebt, so kann dies die Sehkraft verschlechtern. Man sollte auch vermeiden auf der so genannten Fontanelle zu stehen, bei Kindern kann sie sogar noch weich sein. Auf ihr sollte kein Druck sein, denn das ist gefährlich. Man muss lernen das Gleichgewicht mit Unterstützung der Ellbogen zu halten, also müssen die Arme durch andere Asanas gestärkt werden. So habe ich Viparita-Karani in meinem ersten Asana-Set eingefügt und die anderen Umkehrstellungen kommen später, in anderen Asana-Sets. Das Ziel aller Asanas ist es, Prana zu fördern und es in der Sushumna zu fixieren. Wenn das Prana stabil ist, dann ist auch die Asana stabil und der gedankenlose Zustand ist stabil (Raja Yoga Ebene).

Fragen an Guru Yogi Matsyendranath Maharaj

Ist es richtig, dass man die umgerkehrten Asanas stufenweise erlernen sollte, also zuerst Viparita-Karani, danach Sarvangasana, Halasana, Shirshasana?

Antwort: Ja, auch sollte man die kompensierenden Asanas nicht vergessen. Nach den umgekehrten braucht es Asanas für die Verteilung des Pranas im Körper, z.B. Matsyasana, Ushtrasana, usw.

Shavasana

Shavasana ist die Position von «Shiva als Leichnam» oder mit anderen Worten, Shiva als «Shunya» - Leere. Shiva ohne Shakti ist Shava (Leichnam), aber mit Shakti ist er der Schöpfer, Erschaffer und Zerstörer. Mit Shakti nimmt Er eine Form an, oder besser gesagt viele Formen, und bleibt in ihnen stets er selbst. Alle Lebewesen sind Shiva, die Natha-Texte sagen: «Es gibt so viele Lebewesen, wie es Asanas gibt». Da die Ursache für Shivas Manifestation seine dynamische Kraft Shakti ist, ist Shakti auch die Ursache für alle Asanas.

Shavasana ist die Asana des ursprünglichen Zustands, wo alles beginnt und wo alles endet. Daher können wir sagen, dass es zwei entgegengesetzte Zustände der Asanas gibt: Der erste ist Padmasana oder Kamalasana, die Lotoshaltung oder Shakti-Haltung; der zweite ist Shavasana, die Haltung des Verstummens aller Prozesse oder die Pralaya-Haltung. In Shavasana löst man die Lebenskraft auf und bringt sie in ihren ursprünglichen, harmonischen Zustand zurück. Die dritte Pose, die wichtigste Natha-Position, ist die Siddhasana. Ein Siddha ist ein Wesen, das die Einheit von Leere und Form verwirklicht. Die ultimative Vollkommenheit ist gar bedeutender als Shiva- oder Shakti-Tattva. Der Zustand des Siddha ist die vollendete Kraft von beiden, Leerheit und Form.

In gewissem Sinne ist Shavasana die innere Essenz einer jeden Asana, denn Hatha-Yoga zeichnet sich gerade dadurch aus, dass man in allen Asanas einen allgemeinen Entspannungszustand aufrechterhält. Anspannung und Aktivität tragen zu einer besseren Entspannung bei, und eine gute Entspannung hilft Ihnen, später mehr Energie als kinetische Kraft zu manifestieren. In dieser Hinsicht ist Shavasana und der Zustand, den sie erbringt, von grundlegender Bedeutung. Aber das Wesen der "Leichenstellung" ist weit davon entfernt, sich auf die bloße Körperhaltung zu beschränken, genauso wie der Zustand des Siddha nicht darauf beschränkt ist, die Ferse einfach in den Schrittbereich zu drücken.

Siddhasana ist praktisch die Vorbedingung für «Mudra» - ein Abdruck des ursprünglichen, leeren, zeitlosen und räumlichen Zustands, der sich im Vergänglichen und im Geschaffenen widerspiegelt. Die Menschen vergessen trotz ihres ursprünglichen Wesens des Friedens und der Ruhe diesen Zustand, sie werden zu «Pashu» - einem lebenden Wesen, und indem sie sich an ihren höheren Zustand erinnern, werden sie «Jivan-Mukta» - bereits zu Lebzeiten befreite Siddhas. Aus diesem Grund unterscheiden alle erfahrenen Yogis einfache Asanas von Mudras, Mudras geben Siddhis.

Dann stellt sich die Frage: «Was sind dann Asanas?» Sie gleichen mehreren Inkarnationen, in denen unser Bewusstsein in Verbindung mit positiven Erfahrungen an Breite und Reinheit gewinnt. Das Bewusstsein macht verschiedene Erfahrungen in verschiedenen Körpern, bis man erkennt, dass der Körper der Körper Shivas, Parapinda, ist. Alle Körper sind in diesem einen Körper enthalten, und diese Sicht der Welt wird von den Nathas Pinda-Brahmandavada genannt. Sie basiert auf den Vorstellungen der Einheit der absoluten Leerheit und Ganzheit, und es ist kein Zufall, dass der große Begründer des Madhyamika, Nagarjuna, von den Nathas als Naganath verehrt wird.

Doch zurück zu einem eher geerdeten Thema: Weshalb schlafen manche Leute manchmal in der Shavasana ein?

Meine langjährige Erfahrung als Yogalehrer hat gezeigt, dass der Grund dafür praktisch fast immer derselbe ist: Es wird aufgestaute Energie freigesetzt, die den feinstofflichen Körper blockiert. Während der Asana-Praxis können gewöhnliche Lebensenergien aktiviert werden, und wenn sich diese sammeln, so können sie automatisch in den Prozess der Befreiung von alten, ungelösten Problemen umgeleitet werden, die zuvor nur als «Klumpen» in der Energiestruktur hingen. Das ist ein normales Phänomen, und dass man sofort einschläft, ist ganz natürlich.

Patanjili sagt, dass Schlaf Vritti ist, welches in die Leere eingetaucht ist. Vritti ist das Manas, welches am meisten von den 'Indriyas', den Wahrnehmungsorganen, abhängig ist. Vor dem Einschlafen hat der Mensch für gewöhnlich einen "schiefen" Energiekörper und die Sinne sind angespannt. Wenn man gut ausgeschlafen hat, ist der psychische und physische Zustand insgesamt ruhiger. Das ist bei allen Menschen der Fall, es ist ein ganz natürlicher Prozess. Ein Beispiel: Warum treten Halluzinationen bei Menschen auf, die lange Zeit nicht geschlafen haben, oder warum bei Menschen, die zum Grübeln neigen?

Im ersten Fall ist es so: Der Mensch sammelt im Verlauf des Wachens viele Erfahrungen die mit den Sinnesorganen in Verbindung stehen, und da die Erfahrungen, die von den materiellen Sinnen geformt werden ganz unterschiedlich sind, können sie oft auch sehr widersprüchlich sein. Daraufhin formiert sich die Tendenz, seine geformten 'Vikalpas' (Gedankenformen/Fantasien) zu projizieren, welche sich während des Wachens nicht in Chitta auflösten, wie es in Sushupti (Tiefschlaf) der Fall ist. Im Tiefschlaf finden wir die meiste Ruhe.

Beim zweiten Fall, den ich erwähnt habe, wenn der Mensch ins Nachdenken gerät, so ist es im Wesentlichen das Gleiche. Wie funktioniert das? Es ist bekannt, dass Menschen in Hypnose einschlafen können. Ein Kriterium dafür, dass eine Person in Hypnose ist, ist der Zustand des Grübelns, auf Russisch nennt man das "beladen". Erfahrene Hypnotiseure können einen solchen Zustand ohne monotone Worte herbeiführen, sie sehen einfach, auf welches Thema man ernsthaft reagiert und in einen nachdenklichen Zustand gerät, und so versetzen sie den Menschen mit zwei oder drei Worten sofort in Trance.

Ich habe es des Öfteren erlebt, dass ich eine Person beobachtete, welche - ohne ihren Kommunikationsstil als Hypnose zu bezeichnen, diese doch in der Praxis ausführte. Es wird dem Menschen einfach ein Satz gesagt, welcher ihn tief berührt und sofort wird seine Hypnose ausgelöst, er verfällt ins Grübeln, usw. Ich versuche all diese Dinge meinen Schülern ausführlich zu erklären, denn hypnabolische Tendenzen sind nicht immer zu unserem Vorteil.

Um die eigenen psychophysischen Zustände richtig kontrollieren zu können, muss man ihre Natur verstehen, und das ist der eigentliche Entwicklungsprozess. Es ist sehr wichtig zu lernen, ohne stereotypische Schablonen zu leben und die Gründe zu erkennen, warum Menschen starr werden und ihr Bewusstsein einschränken. Insofern ist es sinnvoll, alles ein wenig in Frage zu stellen. Aber nicht so, wie es manche tun, dass es zu einer Nervenklinik und in ewig gesäte Samskaras ausartet, sondern in einer Weise, die zur Flexibilität der Weltanschauungsstruktur beiträgt. Ein solcher Zustand ist unmittelbares Gewahrsein, er ist nicht wie Schlaf.

Im Übrigen kann man solche Praktiken nicht wirklich als "Methoden" bezeichnen; in dem Sinne, was gewöhnliche Menschen unter einer Praktik verstehen. Flexibilität des Bewusstseins ist wichtig in den höheren Methoden des Kashmir'schen Shivaismus, Dzogchen und der Natha-Tradition. Im Grunde genommen bedeutet Tiefenentspannung in erster Linie einen Zustand der Nicht-Trägheit des Geistes, wenn er in einem leeren, ruhigen Zustand verweilt.

Ein weiteres wichtiges Detail: Diejenigen Hatha-Yoga-Praktizierenden, die sich mit modernen körperlichen Praktiken beschäftigen, werden oft in den Schlaf entführt; ich spreche hier von einem weit verbreiteten Phänomen. Eine Vielzahl von Leuten, welche physische Methoden praktizieren, wiegen das Prana in einen eher rajasischen Zustand, und wenn es ausschwingt, so brennt es die karmische Struktur so hart aus, sodass man von einer starken geistigen Überanstrengung abrupt in Lethargie versetzt wird. Natürlich kann man solche Praktiken nicht ohne weiteres als Yoga bezeichnen, obwohl es sich um ein sehr verbreitetes Phänomen handelt. Was geschieht mit diesen Menschen? Das ist einfach erklärt, sie üben die Asanas nicht auf yogische Weise aus, sondern eher auf eine Kung-Fu-Art, nur dass sie am Ende noch Shavasana machen.

Das Ergebnis ist im Endeffekt das oben erwähnte psychophysische Ungleichgewicht, bei dem man an einem Tag eine Fülle von Erfahrungen macht, und infolgedessen stark in das Unterbewusstsein eintaucht. Äußerlich sieht es aus wie ein in den Schlaf fallen. Um solche Zustände zu vermeiden, sollte Yoga auf traditionelle Weise praktiziert werden, ohne dass man in den Asanas das Prana stark anregt und dann völlig losgelöst in Shavasana fällt. Der Mensch schläft unter erhöhter geistiger und sinnlicher Aktivität ein, ebenso aufgrund reichlicher Nahrung. In jedem Falle müssen die empfangenen psychophysischen Veränderungen vom feinstofflichen Körper "verdaut" werden, d.h. Hatha-Yoga muss auf Raja-Yoga hinarbeiten und umgekehrt.

Die Veränderungen des allgemeinen Prana-Zustandes während der Praxis sollen zu einer NATÜRLICHEN Bewusstseinserweiterung führen, die bei weiterer Hatha-Yoga-Praxis das Prana auf ein höheres Niveau anhebt. Diese Ebene ist durch eine gleichmäßigere und harmonischere Veränderung der pranischen Sphäre geprägt.

Ein anschauliches Beispiel: Nehmen wir an, ein Anfänger macht Pashchimottanasana. Mal fühlt er eine Schwere, mal Leichtigkeit, dann eine Enge oder eine Lockerheit im Körper. Aber wenn ein erfahrener Yogi diese Asana macht, so wird sein ganzer Körper erfüllt von einem feinen, leichten Zustand und er wird selbst zu dieser Asana. Ich kenne einen Pandit aus Gorakhpur und dieser scherzte einmal, dass die Art und Weise, wie die Westler Hatha-Yoga verstehen, den Welten der Hölle gleicht, in die sie die Sünder schicken und ihre Körper verdrehen, um sie zu quälen. Dies entspricht ihrem Verständnis von «Hatha-Yoga».

Ich persönlich habe einige russische Yogalehrer kennengelernt, die argumentieren, dass ihr «Yoga mit Mühe» in erster Linie eine Anstrengung und Übung ist, und danach kommen die «Sthira-Sukham-Asanas». Solch Argumentation kann man wie folgt vergleichen: Man soll möglichst viel auf einmal essen, um danach das Gegenteil von der Völlerei zu spüren. Jedoch ist das kein Yoga. Im Yoga wird in erster Linie immer das Prinzip der goldenen Mitte befolgt; wenn man es in der Praxis befolgt, kann man jeden extremen Zustand vermeiden.

Material entnommen aus dem russischsprachigen Forum: dharmanathi.ru


Author: Yogi Matsyendranath Maharaj

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