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Yama-Niyama

Yama-Niyama 21.05.2021

In der Natha-Tradition sprechen klassische Texte und Gurus oft über verschiedene Arten und die Auswirkungen yogischer Sadhana, im Konkreten handelt es sich um Mantra-Yoga, Hatha-Yoga, Laya-Yoga, Raja-Yoga; und auch Shadanga-Yoga wird erwähnt (sechsteiliger Yoga, bestehend aus Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana, Samadhi) und Ashtanga-Yoga (bei dem es neben den sechs Gliedern noch Yama und Niyama gibt). Bei weitem nicht alle Praktizierenden verstehen den Mechanismus vieler Hatha-Yoga Techniken, z.B. Bandhas und Mudras. Solch eine Situation kommt vom Ignorieren dessen, was im Yoga als Basis gilt, also der Yamas und Niyamas. 

Nur indem man eine richtige Basis mit Hilfe der Yamas und Niyamas entwickelt, kann man einen normalen psychophysischen Zustand erlangen, durch welchen man erst die Effektivität der Methoden des Hatha- und Raja-Yoga spüren kann. Es ist einleuchtend, dass wenn von den Yamas und Niyamas die Praxis der Asanas, Pranayamas, Mudras, usw. abhängt, so gelten folglich diese elementaren Glieder des Ashtanga-Yoga als die wichtigsten. Sie sind die Regulatoren jeglicher yogischer Praxis und unabhängig von ihrer nach außen erscheinenden Schlichtheit sind Yama und Niyama die schwierigste Fernbedienung über die Kontrolle der Yoga-Sadhana. Sie gelten als die Korrektur unseres spirituellen Pfades. 

Zweck der Yama und Niyama-Vorschriften 

Der Hauptzweck der Yamas und Niyamas besteht darin, im Einklang mit den Anordnungen des Gurus zu handeln, welcher diese in Form von Praktiken und Vorschriften für die Sadhana übermittelt. 

Niyama bedeutet Vorschrift, oder Regel. Alles auf dieser Welt hat seine Regeln, und für die Sadhana sind sie besonders notwendig und wichtig. Zu diesen Regeln zählen nicht nur die, welche Patanjali erwähnt; Niyamas sind Vorschriften, welche man von seinem Guru erhält. Yama und Niyama spielen eine große Rolle, vor allem für Menschen, welche innerhalb der Gesellschaft leben. 

Es gibt natürlich auch Leute, welche glauben, dass das Praktizieren von Magie die Folgen ihrer Sünden auslöschen könne. Aber selbst wenn es ihnen gelingt auf einer bestimmten Ebene irgendwelche sozialen Probleme zu lösen, so könnten sie das genauso erreichen, indem sie einfach die Yamas und Niyamas einhalten würden, ansonsten müssen sie dann dafür einen längeren Weg auf sich nehmen, zum Teil auch mit schmerzlicher Erfahrung. Tatsächlich ist es so, dass das, was am effektivsten ist, auch immer sehr einfach aussieht. Ohne die Einhaltung und das Verständnis der Yamas ist es sehr schwierig in dieser Welt zu leben ohne sich zu verfangen, und wenn man keinen Guru hat, so ist es gar fast unmöglich, und deshalb gelten sie als die wichtigsten Gesetze für alle Menschen. 

Die Rolle des Gurus in der Yama-Niyama Praxis

Es gilt, dass ohne die nötige Achtung und einem ernsthaften Verhältnis zu den Upadeshas (sanskrit: Rat, Anordnung) des Guru alle Methoden des Yoga nutzlos erscheinen können. Weder Asanas und Pranayamas, noch das Praktizieren von Dhyana können richtig wahrgenommen werden, wenn der Schüler seinen Guru nicht wahrnimmt. So wie derjenige, der nicht den Zustand des Samadhi erfahren hat, nicht als Yogi bezeichnet werden kann, so kann auch derjenige kein Yogi sein, der die Wichtigkeit der Vorschriften nicht verinnerlicht, welche der Guru seinem Schüler übergibt. Manche Leute meinen, dass man sich auch ohne Guru entwickeln kann, doch was auch immer sie sagen, von irgendwo bekommen sie ihre Informationen her, demzufolge, lehrt sie auch jemand. Der Mensch kann nur da etwas erhalten, womit er eine entsprechende Verbindung hat und wo er einen Zugang hat. Niemand gibt jemandem etwas einfach so, vor dem Erhalten und dem Abgeben seinerseits gibt es immer eine bestimmte Etikette des Gesprächs. 

Aus diesem Grund sollte der Sadhaka wissen, wie man sich richtig zu Lehrern und Gottheiten verhält. Zuallererst sollte er danach streben vollkommenes spirituelles Wissen zu erhalten. Es gibt eine Vielzahl an Quellen verschiedenster Informationen, doch der Yogi wählt nur die genauesten aus. Natürlich werden Yama und Niyama auf der Autorität des Gurus aufgebaut, und eine solche Autorität kann sich nicht eben ein jeder verdienen. Doch selbst das ist noch wenig, denn das was der statusinnehabende Guru lehrt sollte effektiv funktionieren, und das ist noch das kleinste Kriterium. Wenn man das Guru-Tattva genauer unter die Lupe nimmt, so sollte man noch hinzufügen, dass der Guru über praktische Erfahrung und auch über eine große Lebenserfahrung verfügen sollte, er sollte eine Reinheit innehaben, welche das mittlere menschliche Niveau übersteigt. 

Doch, das allerwichtigste ist, dass er selbst an das glauben sollte, was er lehrt, an seinen Lehrer und die Tradition. Dabei ist es wichtig, dass es eine echte Tradition ist, und kein erfundenes System, welches auf irgendwelchen persönlichen Phantasien aufgebaut ist. So sind die Anforderungen einer authentischen Tradition. Natürlich sollte der Guru neben all dem über spirituelle Erfahrung verfügen, um genauer zu sein: Die Erfahrung von Samadhi. Die beste Variante für den Schüler ist der Moksha-Guru, derjenige, der frei von „Malas“ (spirituelle Unvollkommenheiten) ist. 

Leider gibt es nicht allzu viele solcher Lehrer; es ist eher so, dass die Mehrheit mit Yoga spekuliert und Gewünschtes für etwas Tatsächliches ausgibt, mehr Schein als Sein. Doch was hat das mit Yama und Niyama zu tun? Die Sache ist die, dass die klassischen Yoga-Texte davon sprechen, dass man die Vorschriften zu den Praktiken entsprechend den Anordnungen eines autoritativen Gurus befolgen sollte. Wir können Yama und Niyama so verstehen und interpretieren, wie es unser Geist oder unser unvollkommenes Ego wünschen, jedoch merkt man dann mit großer Verwunderung, dass dann nichts dem entspricht, was man sich ausgedacht hat.

Heiligkeit und die „Zweitrangigkeit“ der Praktiken 

Das Verständnis von Yama und Niyama an sich ist sehr wichtig, nicht weniger als das der Asanas, Pranayamas oder anderen Praktiken. Obwohl man Yoga als Zustand und Methode immer auf sechs, fünf, zwei oder sogar einen (z.B. Sahaji) Anga (sanksrit: Glied) herabschrauben kann, so sind doch alle Praktiken wichtig, und die Sadhana in ihrer „abgespeckten Version“ erscheint unverständlich oder wird im Wesen verzerrt. So ist es z.B. mit den Asanas, Pranayamas, Mudras im Hatha-Yoga gekommen: Für die Mehrheit haben sie ihre ursprüngliche Bedeutung verloren, auf welche sich die Siddhas beriefen oder auf welche sich die Yogis, die in einer Tradition praktizieren, noch heute berufen.

Viele Konzepte wurden verzerrt, weil es so leichter ist Stile zu entwickeln, es ist leichter alles auf eine einfachere Ebene zu führen. Und ein Mensch auf solch einfachen Ebene, welcher in ihnen schon den ganzen „Yogapfad“ sieht, kann den tieferen Sinn nicht verstehen von augenscheinlich zugänglichen Praktiken, die aber tatsächlich verborgen sind. Yama und Niyama sind Vorschriften für die Kultivierung eines reinen Bewusstseins, welches die Erweckung selbst ist. Dabei gilt, dass alle Vratas (sanskrit: Vorschrift, Gelübde) der Yamas und Niyamas heilige Methoden sind, genauso heilig wie auch Asanas, Mudras, usw. wie absurd das auch klingen mag für Leute, die Yoga auf Gymnastik reduzieren. 

Im Buddhismus gelten die Samayas als heilig, im Yoga die Vratas. Doch für diejenigen, die die Yamas und Niyamas lediglich als Form einer sozialen Moral ansehen, können sie ausschließlich wie Einschränkungen erscheinen, was dem Pashu-Bhava (bedingtes Bewusstsein) eigen ist. So neigen manche Leute dazu sich als „unabhängige Tantriker“ zu sehen, in Wirklichkeit belügen sie einfach nur andere, denn etwas Unreines in den Niyamas zu sehen ist lediglich die Spiegelung ihres eigenen unreinen Geistes. Denn in Allem ist auch alles enthalten, selbst das Höchste im Primitivsten – darin besteht die Nicht-Dualität. 

Man kann zwar über gewisse Ebenen sprechen, wo es schon überhaupt keine Methoden gibt (Nirupaya), da wir jedoch bedingt sind, sind wir nicht in der Lage solche Zustände ohne konkrete Praktiken zu realisieren. Deshalb sind Diskussionen darüber, welche Praktiken höher oder niedriger sind, lediglich leere und tote Theorie, wenn man dabei nicht den Versuch unternimmt sich von seiner eigenen Bedingtheit zu befreien und so etwas führt nur tiefer ins Gestrüpp der Illusionen. Wie auch immer man diese Illusionen nennen mag: „Kaula“, „Anupaya“, „Sahaji“ usw. – Ohne die Regeln, welcher der Guru lehrt, sind sie leer. 

Das höhere Bewusstsein selbst befindet sich in den Methoden, die Methoden übergibt der Guru, sie sind geprüft und haben sich in der Tradition nicht nur fünf, zehn oder vierzig Jahre, sondern über Tausende von Jahren bewährt. In der Tantrischen Doktrin gibt es ein sehr wichtiges Prinzip, welches das Abbild des Höchsten im Niedrigsten, und umgekehrt, erachtet und folglich stellt sich die Frage: Wie können dann überhaupt irgendwelche Praktiken als niedrig gelten? Dies hängt alles vom Individuum ab, denn es gibt auch Leute, die das Niedrige in allem sehen, egal was man ihnen darbringt. 

Es gibt auch welche, die solche Konzepte wie Bodhichitta oder Bhakti, Yoga usw. als sinnlos erachten. Es gibt zwei Kategorien von Menschen, die so etwas sagen können: Die einen sind Unwissende, die anderen sind realisierte Siddhas (oder die, die ihre Äußerungen verstehen). Jede der Yama- und Niyama-Vorschriften kann auf verschiedene Art praktiziert werden. Alles hängt davon ab, wer sie ausübt, ob es den Segen eines echten Gurus gibt und ob der Schüler sie auch genauso ausübt wie es der Guru lehrt. Wenn ja, so kann eine beliebige Art der Praxis zu etwas Höherem werden, wenn nicht, so kann auch die Meditation auf die Kanäle, Chakras, Dvadashanta, verschiedene Lakshyas zu einer sinnlosen Übung verkommen. Folglich ist die Praxis wichtig, welche nicht unserem niedrigen Ego entspringt und das ist es, was eine beliebige Praxis recht macht.

Stufen in der Praxis – Manasika, Vachaka, Kriyaka

Yama und Niyama teilen sich in Manasika, Vachaka und Kriyaka, d.h. verrichtet in Gedanken, Worten und Taten. Ein Jemand sollte mit den Taten beginnen, ein anderer mit dem Bewusstsein, das hängt ganz davon ab, in welcher Bhava sich der Sadhaka befindet. Derjenige, welcher sich im äußersten Tamas befindet, der sollte mit Taten beginnen, da sich die Mehrheit auf der Stufe des Tamas befindet. Widersprüchliches in dem Geschriebenen gibt es nicht. Alles hat seine Stufen, als Beispiel kann man Ahimsa anführen. Wenn man eine Mikrobe tötet, so ist das ein bestimmtes Karma, eine Pflanze – ein anderes, ein Tier – ein drittes, einen Menschen – ein viertes, einen Sadhu – ein fünftes, usw. In erster Linie sollte man es vermeiden ernsthafte Fehler zu machen, die kleinen werden sich danach schon lösen können.

Die Wechselbeziehung der Yama- und Niyama-Vorschriften

Während Yama auf Verzicht und Entsagung aufbaut, so besteht Niyama aus dem Annehmen dessen, was unumgänglich für die spirituelle Praxis ist. Der Yogi, welcher in Niyama gefestigt ist, versteht durch das Licht seines Bewusstseins, wie er die Yamas richtig zu befolgen hat. Im Prinzip sind Yama und Niyama wechselwirkend, sie ergänzen sich gegenseitig. Deshalb führen Texte einige Vorschriften des Niyama als Yama an und umgekehrt. Einige Glieder der Niyamas finden unter zeitgenössischen Lehrern moderner Schulen überhaupt keine Beachtung, z.B. weshalb man sich nicht am Feuer wärmen darf oder in kaltem Wasser baden. Wobei hier alles ganz einfach ist - Ein Yogi sollte Extreme vermeiden: Von der Wärme kann man in einen tamasischen Zustand fallen, von der Kälte in einen rajasischen, der Yogi sollte nach Sattva streben.

Die Anzahl der Yamas und Niyamas 

Patanjali zählt 5 Yamas und 5 Niyamas auf, doch das ist eher allgemeines Verständnis, denn „Yoga-Darshana“ ist um ein Vielfaches mehr als eine philosophisch-weltanschauende Lehre. Das Patanjali-Yoga ist eines von den Systemen des Brahmanismus, die Nathas halten sich an mehr Elemente von Yama und Niyama, weil die Nathas den Yoga aus einer praktischeren Position betrachten. Sie verknüpfen Yoga mit der Praxis verschiedener Sadhanas – vedischer, yogischer, tantrischer, deshalb gibt es bei den Nathas auch mehr Vorschriften für die Sadhana. Gorakshanath sprach von Shadanga-Yoga, weil für die harten Adepten, welche einen Guru haben, die Yamas und Niyamas laut Patanjali nicht ausreichend sind. Der Guru gibt viele verschiedene Upadeshas und Niyamas zur Praxis, sie alle können in den Büchern beschrieben sein.

Das ist jedoch für die, welche schnell voranschreiten, und dieser Pfad schließt auch die Ebene der Yamas/Niyamas mit ein, jedoch ist für solche Art Schüler die Praxis intensiver. Diese Regeln sind für Schüler wie die Speichen am Rad: Während es sich dreht sind sie nicht zu sehen, doch das heißt nicht, dass sie nicht da sind. Samarasya bedeutet „selber Geschmack“, doch es bedeutet nicht, dass Samarasya nur ein Geschmack ist. Es ist ein Geschmack, welcher viele Geschmäcker beinhaltet. Deshalb kann man sagen, dass das wichtigste im Yama ist ein nicht-oppositioneller Ansatz des Ahimsa in Allem, und dieser wird von Satya, Asteya, Arjava, Kshama, usw. ergänzt, und danach, abhängig von der Praxis, gibt der Guru schon weitere individuelle Ratschläge.

Yama

Yama wird als Pfad der Vratas angesehen: Ahimsa-Vrata, Satya-Vrata, Asteya-Vrata usw. Vrata sind spezielle Verbote, welche der Guru dem Schüler vorschreibt. Das Verständnis der Vratas entstammt den Anhängern der Mahavratyas, welche Shiva Rudra (Ekavrata) verehrten, er symbolisierte das Dharma als Weltengesetz und auch als die Schöpfung selbst, denn es gibt nichts, was nicht Shiva ist. Diejenigen, die in Einklang mit Shiva leben, nannte man in dieser Linie Mahavratya. Dies sollte man richtig verstehen – es geht nicht um das Unterdrücken des Willens des Schülers. Der Schüler weiß nicht immer, was für ihn das Beste ist und welche Verbote genau für ihn unumgänglich sind. Der spirituelle Lehrer wird nie glücklich sein, wenn sein Schüler leidet, deshalb wählt er die Vratas aus, welche nicht destruktiv für den Schüler sind und ihm bei der Reinigung helfen. 

Dem einen kann der Guru ein Schweigegelübde auferlegen, durch welches der Schüler die notwendige spirituelle Energie erlangt, welche er ansonsten durch leere Gespräche verpufft hätte. Vratas können komplett verschieden sein. Yama lehrt, wie man Selbstkontrolle erlangt durch die Zurückhaltung von den Objekten und Verhaltensmustern, welche Karma erschaffen, die die Selbstkontrolle behindern. Wenn wir innerlich etwas aufgeben, so bezwingen wir dieses Objekt unserer Enthaltung. Doch der Yogi stellt sich nicht die Aufgabe etwas zu bezwingen, da dies ein weltlicher Wunsch ist, und anstatt von Enthaltung das Gegenteil gebärt, nämlich Abhängigkeit. 

Er stellt sich die Aufgabe nur das zu kontrollieren, was näher zu seinem wahren Wesen ist, er lernt das Bindu zu kontrollieren. Aus dem Bindu entstehen der Körper, die Elemente des Körpers, die Sinne und Sinnesobjekte. Man kann lernen die Sinne zu kontrollieren, doch das ist erst der Anfang – danach kommt die Kontrolle des Bindu und der Schwankungen des Geistes, was Yama mit den anderen „Angas“ verknüpft. Man könnte sagen, dass Yama als Praxis im höheren Stadium dazu führt, worüber Patanjali sprach („Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen des Geistes“) oder die Nathas wenn sie über Unmani-Avastha sprachen. 

10 Yamas:

Die Nathas zählen 10 Yamas und 10 Niyamas, neben den individuell vom Guru an den Schüler übergebenen, da eine Vielzahl an Upadeshas nur für diejenigen vorbestimmt ist, die der Natha-Linie angehören, die Dikshitas sind (initiiert). Für jedes Stadium der Initiation gibt es verschiedene Vorschriften zu den Praktiken. 

Ahimsa - Über Ahimsa wurde schon zuvor geschrieben, das ist die Grundlage der Yamas, Gewaltlosigkeit, Widerstandslosigkeit. 

Satya - Satya impliziert, dass man sich stets an die Wahrheit hält. Wer in Satya gefestigt ist, entwickelt Vak-Siddhi, alle Worte realisieren sich schnell. 

Asteya – Asteya ist das Nicht-Aneignen von Fremden.

Brahmacharya – Brahmacharya bedeutet das Folgen des Absoluten, im Anfangsstadium ist es das Zölibat oder die Treue in der Ehe (für Grihastas). Auf einer höheren Ebene kann Brahmacharya als eine Tätigkeit angesehen werden, in welcher es keine Dualität gibt – in einer einheitlichen Realität gibt es keine Trennung nach geschlechtlichen Merkmalen. Brahmacharya bedeutet das Nicht-Anhaften an tierische Leidenschaften, durch welche sich Maya als illusorische Kraft offenbart. 

Kshama – Das ist die Fähigkeit, denjenigen zu verzeihen, die schwach sind und wegen ihrer Unwissenheit Beleidigungen einem gegenüber vollführen. Es bedeutet, Geduld mit denjenigen zu haben, die nicht so wie man selber lebt: Viele Menschen sehen nichts, außer ihren Illusionen – ihnen gegenüber sollte man sich mit Verständnis verhalten. 

Dhriti – Dhriti ist die Beständigkeit in der yogischen Sadhana, das Streben auf dem spirituellen Pfad Schwierigkeiten zu überwinden. Stabilität ist in der Sadhana äußerst wichtig, man muss eisern das vollführen, was der Guru einem gegeben hat. 
Wer auf dem Yoga-Pfad wandelt, wird stets von verschiedenen Kräften einer Vielzahl von Prüfungen auferlegt. Der Schüler sollte wissen, dass seine Schülerschaft darin besteht ständig alle möglichen Hindernisse zu überwinden. Natürlich wird der Guru einem helfen, aber wir müssen uns auch selber entwickeln. Je mehr Versuchungen man besteht, desto mehr Siddhi erlangt man auch. 

Kripa – Kripa ist das Mitgefühl mit den Menschen, die in Unwissenheit verweilen und den aufrechten Weg nicht kennen, welcher zur Befreiung von Leiden führt (Dukha-Tita). 

Arjava – Arjava ist die Aufrichtigkeit im Umgang mit dem Guru und anderen Praktikern. 

Mitahara – Mitahara bedeutet eine saubere, sattvische Ernährung.

Shaucha – Shaucha ist die Reinheit des Körpers und des Geistes. Der Körper wird mithilfe yogischer Praktiken (Shat-Karma) gereinigt.

Niyama

In vielen Büchern über die Sadhana kann man den Begriff „Niyama“ antreffen, meistens ist es eine Vorschrift zu dem, was man machen soll. Zum Beispiel, wenn man eine Puja vollführt: Wie sie durchzuführen ist, wie man sie vorbereiten muss (Samargi) – das sind die Niyamas zur Puja, Richtlinien zu Asanas und Pranayama können auch als Niyama gelten. Eine jegliche Sadhana hat ihre Niyamas. Wenn man zu jemandem geht um irgendetwas zu erlernen, so fragt man gleich was man zu tun hat um es realisieren zu können, und der Guru gibt einem, den Fähigkeiten entsprechend, das Ziel vor und die Mittel um dieses Ziel zu erreichen. 

Er kennt die Vor- und Nachteile aller für uns möglichen Pfade. Kein einziges Buch kann sie alle beschreiben, denn es sind sehr viele. Genau aus diesem Grund hat man das in den Yoga-Texten auch nicht versucht, sondern sprach nur von dem Grundlegendsten. Die Texte geben Orientierungen, an denen man die Richtung im Ganzen verstehen kann, doch sie können nicht alles erklären und vieles muss man selbst verstehen, damit es auch tatsächlich als eigene Realisierung gelten kann, im wahrsten Sinne des Wortes. Und der Guru tut nur das, was er seinem Dharma nach zu tun hat – nicht mehr und nicht weniger. 

10 Niyamas: 

Tapas – Tapas ist die Praxis von Askese und die Entwicklung von spirituellen Kräften. 

Santosha – Santosha ist das Zufrieden-Sein mit dem was ist, die Dankbarkeit den höheren Kräften gegenüber für das, was sie einem gegeben haben. 

Astikya – Astikya ist der Glauben an den Guru, die Sampradaya, an das, was in der Tradition als autoritativ gilt und auf dem spirituellen Pfad hilft. 

Dana – Dana bedeutet Spende, z.B. für Tempel, spirituelle Programme, Spenden an Sadhus für Essen und andere Notwendigkeiten.

Da Mönche lediglich von Almosen leben, ist es notwendig sie zu unterstützen, da sie der Welt spirituelle Reinheit und das Dharma bringen. Wenn der Sadhaka geschäftlich beschäftigt ist und als Grihasta lebt, so gehört es sich für ihn einen Teil zu spenden. Wenn der Sadhaka ein Sannyasin ist und kein familiäres Leben führt, so sollte er alles dem Guru spenden und kein materielles Gut besitzen, außer dem Notwendigsten, was unumgänglich ist für das Dasein und die Ausführung von Ritualen.

Der Guru und der Ishta-Devata werden als ein Ganzes angesehen, weshalb die Rezitation des Guru-Mantras, welches bei der Diksha übergeben wird, zusammen mit der Meditation auf den Guru, als Opfer angesehen wird. 

Ishvara-Pujana – Das ist die tägliche Verehrung des Absoluten. Im Yoga werden äußerliche Pujas manchmal mit yogischen Praktiken ersetzt, solchen wie Kundalini-Jargat. 

Siddhanta-Vakya Shravana – Das ist das Hören der Lehren der Siddhas und Nathas aus dem Munde des Guru oder fortgeschrittenen Sadhus, Schülern, die eine hohe spirituelle Realisation erreicht haben. 

Hri – Hri ist das Gefühl der Reue für begangene Fehler und das Streben diese mit positiven Taten wiedergutzumachen, dem Dharma dienend. 

Mati – Mati ist die Geistesschärfe. Sie ist unumgänglich für den Sadhaka, vor allem denen, die Jnana praktizieren. Der Schüler sollte sich für autoritative heilige Texte der Nathas und wahrhaftigen Lehren interessieren. 

Japa – Japa ist das Wiederholen des Mantras, welches man bei der Diksha erhält und auch anderer, welche einen Bezug zur Nitya-Sadhana (ständige Praxis) haben. 

Homa – Homa ist die reguläre Darbietung (Spende) in Form von Essen und anderen Upacharas während der Puja. Für gewöhnlich gehört bei den Nathas zusätzlich zu dem bereits genannten noch Guru-Seva dazu: Das hingebunsvolle Dienen dem spirituellen Lehrer, welcher einen auf dem Pfad des Yogas fördert. 

Tirthadana – Das ist Spenden bei dem Besuchen von heiligen Orten. In Indien ist es gängig elf Rupien zu spenden. Man sollte sich vor Heuchlern in Sadhu-Kleidung hüten, die an der Welt angehaftet sind und Spenden in hohen Summen verlangen. Echte Sadhus befinden sich äußerst selten an touristischen Orten, sie sammeln nur für das notwendige Minimum an Essen, welches sie in begrenzter Menge zu sich nehmen.

Zu den Niyamas gehören auch das kluge Vorbereiten der Samargas für die Puja, das Berechnen von günstigen astrologischen Zeitperioden für die Sadhana oder das richtige Ausführen von Hatha-Yoga-Praktiken. Dementsprechend sollten Yama und Niyama als Praxis angesehen werden, welche die Theorie zum Funktionieren bringt. Zum Beispiel könnte es sein, dass man einen antiken Text über Hatha-Yoga mit kurzen und abstrakten Beschreibungen der Praktiken hat, z.B. Nadi-Shodhana oder Ujjaya-Pranayama, aber man weiß nicht, wie sie richtig durchzuführen sind, weil die Beschreibung sehr abstrakt ist und viele Schlüsselwörter unbekannt sind. 

Man wendet sich an den Guru mit der Frage zu klären, wie man diese Pranayamas macht, und er erklärt dann ausführlich jede der Techniken, zu welcher Zeit und wie oft man sie auszuführen hat, in welchen Proportionen und wie man sie mit anderen Yoga-Praktiken kombiniert. So eine detaillierte Beschreibung nennt man auch Niyama. In der Natha-Tradition sind Niyamas wichtig, weil genau sie uns lehren, wie man seine Yoga-Sadhana korrekt aufbaut. Eine jegliche Erklärung dessen, was in der Praxis unklar ist, gilt als Niyama.

Erläuterung der Yama-Vratas: Ahimsa

Yama wird als Pfad der Vratas betrachtet: Ahimsa-Vrata, Satya-Vrata, Asteya-Vrata, usw. Jede kann auf unterschiedlicher Stufe angesehen werden, z.B. Ahimsa – auf der Stufe des Körpers, der Rede (Vachaka-Ahimsa), auf der Ebene des Geistes (Manasika-Ahimsa). Ahimsa gilt als das wichtigste Yama. Doch was bedeutet Manasika-Ahimsa? Das bedeutet, dass man nicht über ein solches Denken verfügt, welches destruktiv auf einen selbst und das Umfeld wirkt. Wenn man mal gut darüber nachdenkt, so versteht man gleich, dass Manasika-Ahimsa nicht einfach nur moralische Regeln sind, sondern eine klare Wahrnehmung und Zustand des Bewusstseins. 

Es ist also die Fähigkeit in Harmonie und Resonanz mit der Welt zu leben, nur dann kann man Ahimsa einhalten. In Harmonie mit der Welt zu sein bedeutet „leer“ zu sein, nichts von seinem Ego zu projizieren, stets bereit die Welt so wahrzunehmen wie sie ist und nicht so wie es das karmische Ego möchte. Man kann auch angeschwemmte Vorstellungen über sich selbst haben und Ahimsa sich gegenüber verletzen. Sich selbst und anderen keinen Schaden zuzufügen kann nur ein Wesen mit einem sehr reinen Bewusstsein und einer biegsamen Weltansicht. Diese Weltanschauung ist nicht einfach nur eine soziale Moral, eben jene Moral kann es sein, welche Ahimsa fern liegt.

So kommt es, dass man das vollständige Ahimsa im Zustand der echten, kompletten Entsagung aller Begrenztheiten realisieren kann – im Samadhi. Wenn man mit Ahimsa bricht, egal auf welcher Stufe, so beginnt man Karma anzuhäufen, sowie unerwünschte karmische Bindungen. Es wäre konkreter zu sagen, Bindungen, die uns auf der geistigen Ebene fesseln. Es gibt einige Leute, welche sich nach außen hin als Wohltäter für andere darstellen, als Mäzen, doch die meisten solcher Leute wollen andere nur abhängig von sich machen, sie unter ihre Fittiche stellen, und in Wirklichkeit wünschen sie niemandem etwas Gutes. Sie führen nur ein schlaues Spiel mit anderen, doch das ist kein Ahimsa. Der Basis ihrer Motivation liegt Aggression zugrunde. Ahimsa ist der Zustand Buddhas, der Zustand des Sannyasins und des Avadhutas, in dessen Seele kein Verlangen liegt.

Jedoch haben viele einfache Leute keine Liebe in der Seele, sie werden getrieben von Sex, dem Verlangen mehr und besseres von anderen zu erhalten, und nicht abzugeben. Mit einem solchen Weltbild kann der Mensch sich nicht spirituell entfalten: Egal welche Asanas er auch demonstrieren mag, und welche Dikshas auch immer er formal erhält, sein Herz ist voller Schmutz. In einem solchen Fall kann der Mensch sich spirituell nicht entwickeln, sondern eher im Gegenteil: All seine äußerlichen entwickelten Anhäufungen, ausgehend von den Bestrebungen des karmischen Egos, werden ihn unmerklich zum spirituellen Fall führen. 

Selbst wenn ein Mensch irgendwelche Siddhis realisierte (durch Mantras, yogische Übungen, Pujas), falls das für das Ego getan wird, so macht es ihn nicht reiner. Yama ist die wichtigste Praxis, und in ihr ist Ahimsa am wichtigsten. Indem man Reinheit der Gedanken und Taten erlangt, beginnt man die Aspekte der Yoga-Sadhana richtig zu verstehen. Man kann dann vollkommen Ahimsa einhalten, wenn der Guru einen darin korrigiert.

Viele nehmen das als absurde Idee wahr, sie denken, dass es in Ahimsa nichts Bedeutsames gäbe. Doch so denken Leute, für die Yoga im Ganzen als spiritueller Pfad nicht nötig ist. Obwohl sie sogar behaupten könnten, dass sie ihr ganzes Leben dem Yoga gewidmet haben, ist es in Wirklichkeit doch so, dass der, der sich wirklich dem Yoga gewidmet hat, danach streben wird alle Elemente der Sadhana tief zu erforschen. Man sollte auch verstehen, dass Ahimsa nicht einfach nur ein „Hinhalten der Backe“ für Angriffe ist, sondern besser gesagt die Vermeidung von Angriffen; wenn man versucht seine Taten so zu gestalten, dass die Folgen keine Aufmerksamkeit und Energie schlucken würden. 

Die Energie sollte nur auf das Höchste gerichtet sein. Es gibt die Auffassung, dass nur ein sehr seltener Mensch Ahimsa einhalten könne, dass es äußerst schwierig sei. Dabei ist es eigentlich schwierig sie nicht einzuhalten und es einzuhalten ist viel leichter. Denn wenn man es einhält, so behält man auch ein ruhiges Gemüt. Ahimsa ist eines der Mittel zur Erlangung eines ruhigen Bewusstseins, und ein ruhiges Bewusstsein ist ein Zustand der Selbstkontrolle, was sehr wichtig ist im Yoga. 

Weiteres über Ahimsa 

Die Texte der Nathas sprechen davon, dass unter den Yamas Ahimsa (nicht-oppositionelle Einstellung) das wichtigste ist, unter den Niyamas ist es Mitahara (richtige yogische Ernährung), unter den Asanas ist es Siddhasana (Haltung des Siddhas), unter den Pranayamas ist es Kevali, unter den Mudras ist es Khechari, unter den Methoden des Laya-Yoga ist es die Meditation auf das „Nada“ usw. Doch was ist eigentlich unter einer nicht-oppositionellen Einstellung zu verstehen?

Es bedeutet, dass man es vermeiden sollte seine Energie zu verlieren aufgrund von Widerstand. Wenn man in einen Konflikt gerät, so verliert man viel Energie, selbst wenn man als Sieger hervorgeht, doch letztendlich legitimiert das Resultat die ausgegebenen Mittel nicht. Deshalb kann man gewiss sagen, dass solche Resultate ungünstig sind, denn erwünscht ist ein Resultat, bei dem man wenig Energie ausgibt und dabei ein vorteilhaftes Ergebnis erhält. Das ist eine besondere Kunst. Man kann dabei nicht sagen, dass man den Versuch unterlässt ein Ziel zu erreichen, viel eher ist es so, dass man lernt es mit anderen Methoden zu erreichen und auf komplett anderen Ebenen. So handeln echte Yogis, deshalb nennt man sie auch Siddhas (vollkommen).

Der Yogi misst sich nicht, wenn er nicht als Sieger hervorgehen kann und es nur Verlierer geben kann, deshalb „ist das Land gesegnet, in dem ein Yogi lebt“. Dort, wo ein Yogi anwesend ist, verlieren selbst wilde gefährliche Tiere (Pashu) ihre Aggression. Sie hören auf zu attackieren, und zwar nicht, weil der Yogi ihnen die Möglichkeit gibt ihn zu vertilgen, sondern weil er ihnen die Sinnlosigkeit einer Aggression in seine Richtung weismacht. Tatsächlich ist Ahimsa die Eigenschaft eines wahrhaftigen Kriegers. Die Geschichte kennt viele Beispiele, wenn große Kampfkunstmeister, welche schon viele Siege errungen hatten, bei einem gegenseitigen Aufeinandertreffen den Kampf nicht begonnen haben. 

Sie sind Profis und verstehen ganz genau, dass im Beisein eines anderen Meisters die kleinste ungenaue Bewegung mit Verlust der Selbstkontrolle das Leben kosten kann. Einige solcher Kämpfe endeten damit, dass die Kämpfer sich lange mit ihren Waffen gegenüberstanden, während sie dabei äußerste Achtsamkeit erhielten, bis zu dem Moment, an dem einer erschöpft umfiel. Manche Kämpfe endeten nach einem oder zwei Schlägen. Das sind alles Beispiele aus der Welt der Kampfkunst, doch das Leben ist – trotz der Ähnlichkeit – noch viel schwieriger, es ist multidimensionaler. Wenn man sein Leben auf dieser Welt glücklich durchleben möchte, so muss man die Kunst des Lebens erlernen. 

Der Guru öffnet einem die Tore in die Schule des Lebens, und jeder bekommt eine persönliche und einzigartige Erfahrung. Der Guru korrigiert einen, doch der Großteil der zu erledigenden Arbeit in diesem Prozess hängt nur von einem selber ab. Irgendwann erlangt der Schüler eine höhere Weisheit; all seine Taten, seine Worte und sein Denken werden vollkommen, und dann wird er selbst ein Meister sein und ein Jivan-Mukti (zu Lebzeiten befreite Seele). Dabei gehen die Fähigkeit und der Prozess des Erlernens nicht verloren, es gehen nur die destruktiven Einflüsse der Dualität abhanden, die Grenze zwischen Meister und Schüler verschwindet. 

Der Schüler versteht alles und kommt auf die Stufe höherer spiritueller Fähigkeiten. Er kann bei denen lernen, die überhaupt nicht reden; er ist in der Lage die Gesetze des Alls zu sehen, seine Tätigkeiten sind einfach und unterscheiden sich äußerlich nicht von den Standarderscheinungen der Welt. Solche Meister sind sehr schwer zu erkennen, yogische Texte nennen sie Yogi-Avadhuta. Ihr Verständnis von Ahimsa ist derart breit und fein, dass es für einen solchen Yogi praktisch keinen Unterschied gibt zwischen den Stufen des Yama, Dhyana und Samadhi.

Der vollkommenste Handelnde in dieser Welt ist das Absolute selbst, und Yogis lernen wie man in Harmonie mit der Welt handelt, mit den allgemeinen Energien. Das höchste Ahimsa ist eine höchst vollkommene Harmonie, oder Samarasya. Doch da nicht jeder diesen Zustand sofort wahrnehmen und es befolgen kann, sollte der Schüler Ahimsa just wie Gewaltlosigkeit verstehen, Gewaltlosigkeit dem Grundlegendem gegenüber - den Menschen, Tieren und allen Lebewesen keine Leiden in Form von Schmerz zufügen, nicht Töten oder andere Quälereien. Doch viele sagen, dass dies unmöglich sei. 

Doch lasst uns mal nüchtern auf das eigene spirituelle Niveau schauen: Wenn man erkrankt oder in Situationen gerät, welche einem Leiden verschaffen, kann man sich dann noch vollkommen nennen und kann man auf so einer Ebene über komplette Ahimsa sprechen? Ich denke die Antwort ist eindeutig. Man sollte dem Ahimsa folgen, welches für einen selbst möglich ist. Der Mensch erhält die Früchte seines Karmas entsprechend seiner Tätigkeiten. Wenn man Pflanzen tötet, so ist das ein leichteres Karma, wenn es Tiere sind, so ist das Karma schon schwerwiegender, wenn es ein Mensch ist, ein frommer oder heiliger, so ist das Karma schon um ein Vielfaches schwerer. 

Deshalb ist die Begründung, dass es keinen Sinn hat Vegetarier zu werden, weil Pflanzen auch Lebewesen sind, inaktuell; wenn der Mensch für den Anfang nicht einmal die grundlegendste Reinheit erreicht hat, so kann das nicht von philosophischen Konzepten gerechtfertigt werden. Natürlich kann ein Yogi, der ein hohes spirituelles Niveau erreicht hat, Fleisch essen und, wenn es dringend erforderlich ist auch ein Lebewesen töten, aber nicht auf solch eine Weise, wie es die meisten Sterblichen tun. Doch sollten wir uns keineswegs auf eine Stufe stellen mit solchen Yogis, und tatsächlich ist es ja auch so, dass Yogis niemals ihre Fähigkeiten missbrauchen, für sie ist es in der jeweiligen Situation einfach unumgänglich. 

Sie vernichten auch niemals Lebewesen, welche eine Strafe verdienen, weil das die Schöpfung von selbst erledigt. Einige unvollkommene Anhänger des Tantra, die keine spirituelle Reinheit erreicht haben, rechtfertigen ihre destruktiven Taten mit der tantrischen Doktrin. Sie verstehen nicht, dass wenn tantrische Texte über Vamachara- oder Aghora-Praxis sprechen, so sind diese Methoden (wenn man sie denn so nennen will) für diejenigen bestimmt, die schon gewisse Siddhis erlangt haben.

Ohne das Vorhandensein solcher Siddhis führen Vamachara- oder Abhichara-Methoden den Adepten zu nichts Gutem. Was den Yogi anbelangt, den realisierten Siddhi, so kann er auch ohne äußere tantrische Rituale auskommen, er braucht keine Tiere zu töten um sie als Opfer den Gottheiten darzubringen, solchen wie Kali oder Kala-Bhairava. Der Yogi bringt seine niedere tierische Natur zum Opfer. Indem er das Khechari-Mudra ausübt „isst er das Fleisch“, seine eigene Zunge, und er trinkt den Wein Amrit im Sahasrara-Chakra und verspürt Maithuna während der Einheit der Kundalini-Shakti mit Shiva. 

Manchmal verwenden Yogis tantrische Praktiken, z.B. Shat-Karmas (sechs magische Handlungen: Marana – Tötung, Stambhana – Steuerung von Lähmung, Vashikarana – Unterwerfung, usw.) oder das bekannte Ritual der 5 M’s, doch so wie sie es ausführen übt es praktisch keine Gewalt auf die Umwelt aus. Solche Handlungen enthalten keine negativen karmischen Folgen unter der Bedingung, dass der Yogi über spirituelles Wissen und eine Sichtweise verfügt, welche die Ebene eines Normalsterblichen übersteigt.

Satya 

Als Patanjali davon sprach, dass Handlungen Resultate erzielen, wenn man sich in der Wahrhaftigkeit gefestigt hat, so hat er, wie auch ein jeder andere realisierte Meister, damit gemeint, dass solche Siddhis durch die Realisation des reinsten und vollkommensten Bewusstseinszustand erreicht werden, in dem Fall wenn die Handlungen äußerst vortrefflich sind. Beim unvollkommenen Menschen schwankt das Gemüt, aus vielen unterschiedlichen Gründen, welche seine Handlungen bedingen und ihre Effektivität begrenzen. Die Effektivität der Handlungen hängt davon ab, auf was das Bewusstsein gerichtet ist: Je höher die Wahrheit ist, welche sie darstellt, auf desto vollkommenere Art und Weise wird sie durch die Handlungen ausgedrückt. 

Gewöhnliche Menschen sind abhängig von vergeblichen Begierden, sie versuchen egal wie und egal was zu realisieren,wobei sie nicht verstehen, was ihre Wünsche in Wirklichkeit ausdrücken. Deshalb passen solche Wünsche oft nicht zu der Realität, welche sie umgibt, und dann werden irgendwelche Handlungen ausgeführt, welche aber alle sinnlos sind und von Anfang an schon zum Scheitern verurteilt. Angesichts der unvollkommenen spirituellen Zustände und des oberflächlichen Weltbilds kommen die Resultate der Handlungen nicht zum gewünschten Ziel. Deshalb, damit alles realisiert werden kann, empfiehlt Patanjali die ununterbrochene Suche nach der Wahrheit und die Festigung in ihr, denn da, wo die Wahrheit ist, gibt es auch immer eine hohe Achtsamkeit und Verantwortung für seine Taten. 

Astea 

Mit Astea ist es dasselbe: Erhabene Gurus und Texte sprechen davon, dass man selbst das Absolute ist, welches alles enthält, und wenn man an so einem Weltbild festhält, so kann man schrittweise die verloren gegangene Vollkommenheit wiedererlangen. Man löst sich von allem, und bekommt dabei alles. In solch einem Zustand kann es keinen Diebstahl geben, denn das wäre erniedrigend für das, was man schon hat. Für wen hält man sich selbst – für einen Kaiser oder einen Bettler? Welche Werte hat man im Leben, und zu welchen Handlungen führen sie einen? Welchen Weg wählt man für sich aus? Die Entscheidung hängt allein von einem selbst ab.

Brahmacharya 

Was Brahmacharya angeht, so bedeutet es buchstäblich „Folgen des Brahmans“. Dieses Folgen kann in verschiedenen Zuständen oder Bhavas auftreten. Dakshinachara, Vamachara oder Vira-Bhava und Divya-Bhava, sie alle hängen von bestimmten Gunas ab. Jede Achara bevorzugt ihre eigenen Methoden. Der Sinn von Brahmacharya besteht darin die Kundalini ins Sahasrara-Chakra zu heben (Zustand des Urdhavareta), dafür gibt es verschiedene Ansätze, der Prozess kommt mit der spirituellen Praxis.

Während der anhaltenden yogischen Praxis lernt man verschiedene Methoden und selbstverständlich auch das Hören auf den Zustand des Körpers, des Geistes und der Sinne, man bekommt verschiedene mystische Erfahrungen. Deshalb versteht man mit der Zeit von selbst, was man zu tun hat um keine Energie zu verschwenden, das kann man nicht einseitig und kategorisch angehen, indem man seine sexuelle Energie unterdrückt, oder umgekehrt – indem man sie vergeudet. 

Während des Prozesses der Nitya-Sadhana spürt man intuitiv wie man sich richtig zu ernähren hat, wie man sein Leben richtig organisiert, wie man mit der sexuellen Energie arbeitet, und man beginnt tiefer zu verstehen, was diese überhaupt ausmacht. Die sexuelle Energie ist die Kundalini-Shakti, man muss sie entwickeln und auf höhere Bewusstseinssphären heben, indem man mit ihr arbeitet. 

Zu dieser Arbeit gehören rein technische Elemente des Yoga, sowohl auch das Bewusstwerden seiner Wechselbeziehung mit der Welt und wie diese Bindungen sich auf das eigene Innenleben auswirken. Die sexuelle Energie Virya, steht in enger Korrelation mit dem Geist und dem Prana, deshalb ist Brahmacharya nicht nur lediglich auf strenges Zölibat beschränkt, wobei das für Leute auf einer bestimmten Ebene und als Methode hilfreich sein kann. 

Doch das echte Brahmacharya realisieren komplett lediglich diejenigen, die sich in der yogischen Praxis gefestigt haben. Also wenn die Sadhana nicht nur ein Hobby ist oder ein Mittel um merkantile Ziele zu erreichen, sondern eher wenn sie zu etwas geworden ist, ohne was das Leben keinen Sinn mehr macht. Hierfür muss man sehr tief die Lehre des Yoga kennen. Den yogischen Shastras zufolge, verwandelt sich das Ojas in Geschlechtsflüssigkeit aufgrund von groben materiellen Wünschen. Doch das ist nicht nur Sex: Das Streben nach Essen und einem warmen Bad, das Streben zu verschiedenem Komfort zählen auch dazu. 

In erster Linie sollte man lernen seinen Geist zu kontrollieren. Tatsächlich ist es so, dass nicht jeder es schafft im kompletten Brahmacharya auch nur für vier Stunden zu verweilen. Den Geist auf das Höhere zu richten ist für den Anfang nur für eine kurze Zeit möglich. Deshalb gilt selbst eine kurze Anushthana-Periode mit qualitativer Sadhana als Brahmacharya. In diesen Momenten der Meditation wird der Yogi zum Urdhvareta.

Zu Beginn können kurze Sadhanas ausreichen, jedoch im Zustand kompletter Anwesenheit in der Praxis, wenn man sich in der anderen Zeit dann vergnügt, so ist das nicht schlimm. Es ist nur dann schlecht, wenn der Mensch immer ein Bhogi ist und seine Zeit keiner echten Sadhana widmet, nicht einmal ein kleines bisschen. Es geht nicht um die Anzahl: Sogar wenn die Sadhana nicht lange dauert, dafür aber echt ist, so wird man schrittweise hohe Resultate erreichen können. 

Über den Zusammenhang von Brahmacharya-Praxis und anderen Niyamas mit der Sadhana 

Was bedeutet Brahmacharya? Viele denken, es sei Zölibat und die Abwesenheit von Kontakten mit dem gegensätzlichen Geschlecht, was beispielsweise auch den Verzicht auf Gedanken und Gespräche bezüglich Sex einschließt, den Verzicht auf das Scherzen mit dem anderen Geschlecht (was als Anmache gilt) usw. Insgesamt zählt man neun solcher geteilten Stufen. Es gibt welche, die meinen, dass Brahmacharya das Folgen von Brahman wäre und den Verzicht des oben genannten, und natürlich ist das eine wichtige „Anushtana“. Doch wenn man ein bestimmtes Maß an Selbstkontrolle erlangt hat, so kann man auf andere Arten von Praktiken übergehen, wo es keine Notwendigkeit für solche Extreme gibt. 

Doch dabei ist Brahmacharya nicht einfach nur das Folgen Gottes. Es ist eine vollkommen yogische Technik, welche Khechari genannt wird, und nicht auf das Dehnen der Zunge bezogen ist (wobei das auch eine nützliche Sache ist und als autoritative Praxis der Natha-Yogis gilt). Brahman ist „kha“ oder der Raum des Bewusstseins, während „chari“ die Shakti ist, somit ist Brahmacharya die Khechari-Praxis und das ununterbrochene Gewahrsein. Es scheint, dass das einfach wäre, doch tatsächlich ist es schwer, und ich kann mit Gewissheit sagen, dass solch eine Praxis einen vollkommen transformiert auf allen Ebenen. Die Texte der Nathas sprechen davon, dass Vajroli zum Steigen von Retas führt, ebenso wie Khechari und Shambhavi Mudra. Das sind im Grunde genommen verschiedene Formen, welche ein und denselben Prozess zur Steigerung des Bewusstseins (Chetana-Shakti) beschreiben, welche den Geist öffnen und zur Erlangung neuen Wissens führen, welches nicht weltlichen Tendenzen konditioniert ist.

Wenn man Vihara nicht einhält (richtige Handlungen für den Lebensunterhalt), so wird die eingenommene Nahrung (Ahara) sich negativ auf den Geist auswirken, welcher dann schwer zu kontrollieren ist. Die Nahrungsaufnahme ist faktisch eine Puja, für den Yogi ist es Tyaga (Opfer), man nimmt das Verdauungsfeuer als eine Gottheit wahr. Ebenso gewissenhaft wie bei der Homa geht man dabei bei der Auswahl der Samargas vor, und so verhält man sich auch bei der Auswahl der Nahrung. Das Essen beeinflusst das Bewusstsein, und Yoga ist in erster Linie die Kontrolle des Bewusstseins und natürlich des Pranas. Wichtig ist auch die Reinigung der Asana, da wo man seine Sadhana ausführt, wenn an diesem Ort destruktive Energien vorherrschen, so werden die physischen Übungen lediglich eine Demonstration eines Yogi-Imitators vor anderen sein.

Beim Thema Ahara-Vihara, Asana und Prana, sollte man noch den Schlaf erwähnen, dieser hängt von den oben aufgezählten Faktoren ab, welche eine wichtige Rolle spielen. Wenn man alle Niyamas für die Sadhana einhält, so beginnt man schrittweise viele verborgene Feinheiten zu bemerken, welche nicht in vielen Texten über Yoga erwähnt werden, und man wird auch verstehen, warum es einem so schwer fällt die sexuelle Energie zu kontrollieren. Falsche Handlungen und Ernährung erfordern mehr Zeit für Schlaf, deshalb können einen verschiedene Träume aufsuchen, welche etwas mit Sex zu tun haben. 

Bedingungen für die Anhäufung und Transformation von Kräften, Pollutionen 

Die Pollution kann wohl kaum Krankheit genannt werden, sie tritt bei vielen auf. Das ist einfach nur das Unvermögen zur psychophysischen Kontrolle, was der Mehrheit der gewöhnlichen Menschen eigen ist. 

Wenn nachts eine Pollution erfolgte, so ist das dasselbe, als hätte man Sex gehabt. Für manche verschiedene, vorbereitende Sadhanas benötigt man 100 Tage (mindestens) vollkommener Entsagung von Sex, wonach eine Anhäufung von Kraft und ihre Transformation stattfinden. Die Lehrer sagen, dass wenn in dieser Zeit nachts eine Pollution erfolgte, so muss man erneut mit der Zählung beginnen. Es werden Mudras, Bandhas und andere wichtige Elemente yogischer Sadhana praktiziert. Brahmacharya ist wichtig für die spirituelle Praxis und die Erweckung der Kundalini. 

Shaucha

Und nun bezüglich Shaucha. Natürlich gibt es einen großen Unterschied zwischen dem Yoga Patanjali und dem Yoga der Nathas, es gibt so viele Unterschiede, dass es keinen Sinn macht, sie alle aufzuzählen. Die Nathas realisieren in der Praxis viele spirituelle Ideen, welche nicht nur auf Patanjali oder etwas anderes begrenzt sind. Jedoch steht bei den Nathas Patanjali selbst noch lange nicht auf dem letzten Platz – er gilt als Guru, der etwas Wertvolles in diese Welt gebracht hat. Sowohl Gorakshanath, als auch Patanjali erkannten die Wichtigkeit von Vairagya (Entsagung) an.

Die Sache ist die, dass der „schmutzige Körper“ und die Zurückhaltung von seinen beschränkten materiellen Möglichkeiten nicht als etwas Negatives angesehen werden sollte. Manche Worte, welche zum Teil sehr hart klingen können, sollte man auf einer tieferen, spirituellen Ebene sehen, vor allem wenn es um „Yoga-Aphorismen“ geht. Das Ziel von Yoga ist es nicht das menschliche Bewusstsein an das Phänomenale, die Empirie oder Fragmente der Welt zu fesseln, sondern das Bewusstsein in die Grenzenlosigkeit zu erheben. Deshalb ist die Rede von „Abneigung zum Körper“, unter der Stabilisierung von Reinheit.

Die Sache ist auch die, dass wenn man die Reinheit noch nicht erreicht hat, so fällt es einem äußerst schwer zu erkennen, was unsauber ist, und die Wurzel aller Verschmutzungen ist für uns unsichtbar. Die Mehrheit der Menschen kennen ihre niedere Natur nicht, sie sind „ein bisschen gut“ und „ein wenig schlecht“, doch wenn man Satya in einem größeren Sinn erkennt, so wird man auch die Lüge in einem größeren Sinn erkennen, während dies einen aber nicht zu irgendwelchen radikalen Handlungen führt, um es allen zu beweisen. Man hat nicht das Verlangen in Extreme zu verfallen, eben aufgrund der radikalen Sichtweise. Man versteht aufrichtig die Wurzel der Sünden, doch kämpft man schon nicht mehr mit primitiven Methoden in Form einer zur Schau gestellten Moral, so dass es jeder sehen könnte.

Man schätzt seinen Gegner sehr nüchtern ein, deshalb ist man bereit mit ihm einen Kampf zu führen auf ganz anderen Ebenen. Wenn ein gewöhnlicher Mensch irgendwelche Reinigungen des Organismus oder Arten von Shodhanas durchführt, verspürt er sofort einen Effekt und beginnt sich zu bewundern, wodurch aber nur sein falsches Ego wächst. Und hier steht er vor einer Prüfung; er muss entscheiden wie es weitergeht: Wenn er beginnt nach der elementaren Reinigung tiefere Ursachen für seine schmutzigen Zustände auf der „Bewusstsein-Körper-Ebene“ zu erkennen, so hat er die Möglichkeit aus den Kräften zu schöpfen, welche ihn zuvor in einen unvollkommenen Zustand versetzten. Er kann dann auf Grundlage der erhaltenen Erfahrung seine unkontrollierten Instinkte beobachten, da er jetzt weiß, wohin diese einen führen können. 

Nicht dass man sie unterdrücken sollte oder versuchen sie komplett auszulöschen – Nein, man macht sie sich bewusst, und beobachtet ihre Natur. Man lernt in einen ruhigen Bewusstseinszustand einzutauchen und das zu erkennen, was mit den Reaktionen auf grobe Objekte passiert, sodass man mittels verfeinerter Intuition verschiedene Provokationen beobachten kann. Sie können jederzeit und überall auftauchen, oder besser gesagt – von überall her. Wenn man auf den Weg der Reinheit wandeln will, so bedeutet das nicht, dass alle anderen das zusammen mit euch machen werden. Für sie ist es egal, was ihr macht, jeder geht seinen eigenen Weg, und so schwimmen sie auf ganz anderen Wellenlängen. Jedoch ist man auch selbst frei, welches Verhaltenssystem und welchen Bewusstseinszustand man wählt, und welches man als sinnvoll für die eigene spirituelle Praxis erachtet. Deshalb ist es so wichtig, das Reine vom Unreinen zu unterscheiden. 

Nach den Materialien des Dharmanathi-Forums.


Author: Yogi Matsyendranath Maharaj

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